»O Sahib,« rief die Frau, »wenn du uns nicht, ehe wir fortgingen, durch die Augen (die beiden Objektive) deines schwarzen Kastens (des photographischen Apparates) angeblickt hättest, würde ich mein Kind nicht verloren haben!«

»Und was ist’s mit deinem Mann?«

»O, den wirst du auch töten!«

»Ich kenne deinen Mann ja gar nicht. Jedenfalls verspreche ich dir, daß ich ihn mit diesen Augen nicht anblicken werde.«

»Das ist es nicht, Sahib; aber er kommt mit dir nach Tibet. Er trägt eine von deinen Lasten. Ihr werdet dort alle umkommen.«

Sie zeigte ihn mir: es war einer der stärksten unter den Trägern, die ich bei mir hatte und der am meisten darauf bestand, mich begleiten zu dürfen. Jedenfalls war er zu gut, um ihn zu verlieren, und ich war daher nicht willens, wegen der Tränen dieser guten Frau meinen Anspruch auf ihn aufzugeben. So tröstete ich sie, so gut ich konnte, versprach, gut für ihn zu sorgen und ihn unter keinen Umständen zu photographieren.

In Kuti hatten Dr. Wilson und ich einige Stunden damit zu tun, die Vorräte, die ich gekauft hatte, abzuwiegen und in gleich schwere Lasten zu packen; es waren im ganzen 14 Munds (etwa 500 Kilogramm) Mehl, Reis, Ghur, roter Pfeffer (15 Kilogramm), Miseri, Ghi (Butter) und eine große Menge Satu (Hafermehl) und geröstetes Korn. Dazu kam der Proviant an Konserven in Büchsen, den ich von London mitgebracht hatte.

Um meinen Trägern keinen Grund zur Klage zu geben, erlaubte ich ihnen, ihre Schuhe, Decken usw. selbst auszuwählen, und tat alles, was in meiner Macht stand, sie zu befriedigen, weil die Lasten außerordentlich schwer zu werden drohten. Schließlich fand ich, daß, selbst nachdem ich auf alles verzichtet hatte, was irgendwie entbehrt werden konnte, doch noch für wenigstens zwei starke Männer zu tragen übrigblieb. Jeder verfügbare Schoka hatte sich der Gesellschaft angeschlossen, und kein Reizmittel, das ich anwandte, war imstande, mir mehr Freiwillige zuzuführen. Ich war durchaus nicht willens, länger zu zögern, und schon entschlossen, die beiden Extralasten noch einmal unter die Träger, die ich hatte, zu verteilen, als zwei Hirten auftauchten, halb verhungert, mit langem, ungekämmtem Haar und mit weiter nichts bekleidet als einem Korallenhalsband und einem silbernen Armring. Ich warb sie schnell an und kleidete sie. Obgleich der eine nur ein Knabe war, beschloß ich, mich auf das Glück und auf Dr. Wilsons Versicherung zu verlassen, daß er zähe genug und brauchbar sein würde.

Hierdurch wurde meine kleine Streitmacht auf die Stärke von dreißig Mann gebracht, und nun konnte ich ruhig aufbrechen.

Elftes Kapitel.
Zum Dach der Welt.