Bevor ich Kuti verließ, besichtigte ich noch das alte Schloß, das etwa 300 Meter südlich vom Dorfe auf einem kleinen Hügel liegt. Mit Ausnahme eines viereckigen Turmes, der von den Eingeborenen der Kuti Ker genannt wird, liegt es jetzt in Trümmern. Die Eingeborenen konnten mir über das Bauwerk keine andere Auskunft geben, als daß es einst ein stark befestigter Königspalast gewesen sei.

Als ich nach dem Lager zurückkehrte, war endlich alles fertig, und nach endlosem Verdruß mit einigen meiner Leute, die schon wieder unsicher waren, ob sie mich auf meiner Reise begleiten sollten oder nicht, machte ich mich auf den Weg. Das Dorf Kuti ist das höchste in Bias; es liegt in Höhe von 3940 Meter.

Der Weg war jetzt ziemlich frei von Schnee und Eis mit Ausnahme einiger Stellen, wo wir ausgedehnte schneebedeckte Abhänge zu überschreiten hatten.

Auf einem von diesen hatten wir unsern ersten Unfall. Ein Kuli, der einen großen Topf mit Butter in der Hand trug, stürzte. Zum Glück glitt er nicht weit hinab, aber wir wurden bitter enttäuscht, als wir sahen, wie unser kostbarer Topf ins Wasser rollte und für immer verschwand.

In einer Höhe von 3980 Meter schlugen wir das Lager auf. Spät am Abend, als meine Leute Holz sammelten, um ein großes Feuer zu unterhalten, um das wir herumsaßen, kamen zwei Kulis, die mit der Weisung, uns zu folgen, in Kuti zurückgelassen worden waren, mit ihren Lasten an.

Es waren zwei seltsame Charaktere. Der eine war traurig und mürrisch, der andere lebhaft und gesprächig; sie gaben vor, Radschputen zu sein.

»Du siehst,« rief der fröhliche Kuli, »ich bin klein, aber ich fürchte nichts. Wenn wir nach Tibet hinübergehen, werde ich mit einem spitzen Stocke vorangehen und alle Tibeter verjagen. Ich habe keine Furcht vor ihnen. Ich habe Mut, es mit der ganzen Welt aufzunehmen!«

Da ich den Wert dieser Art Reden von seiten der Eingeborenen kenne, stopfte ich ihm den Mund und schickte ihn fort, Holz zu holen.

Der mürrische Bursche interessierte mich mehr. Er äußerte nur selten ein Wort, und wenn er es tat, sprach er nicht vergnügt, augenscheinlich in tiefes Nachdenken versunken, aus dem er seinen Geist nur mit großer Anstrengung zu reißen schien. Er sah jämmerlich krank aus. Unbeweglich und sprachlos sah man ihn, wie in Verzückung, auf einen bestimmten Punkt starren. Seine Gesichtszüge waren sehr fein und regelmäßig, aber seine Haut hatte jene abscheuliche, glänzend weißliche Färbung, wie sie den Aussätzigen eigen ist.

Ich wartete auf eine Gelegenheit, seine Hände zu untersuchen, auf denen er saß, um sie warm zu halten. An den zusammengezogenen Fingern findet man die ersten Symptome des Aussatzes, jener schrecklichsten aller Krankheiten. Ich forderte den Mann auf, sich näher an das lodernde Feuer zu setzen. Er kam und hielt seine offenen Handflächen gegen die flackernden Flammen. Mein Verdacht war nur zu richtig. Seine Finger, verzogen und gekrümmt, mit wunder Haut an den Gelenken, waren der traurige, aber überzeugende Beweis. Ich untersuchte seine Füße; auch daran waren dieselben Symptome.