Wir nahmen den Marsch wieder auf. Die drei Reiter verfolgten einen Weg zwei Kilometer südlich von unserm, am Fuße der Hügel, und da sie sich dicht auf die Köpfe ihrer Pferde legten, glaubten sie wahrscheinlich, daß sie unbemerkt an uns vorbeikämen. Als sie sahen, daß unsere Richtung die nach unserm alten Lager bei Lama Tschokden war, verließen sie unsere Spur und ritten uns voraus.
Als wir abends Lama Tschokden erreichten, kamen zwei Schäfer, uns zu begrüßen. Später erschien ein dritter.
»Unsere Schafe sind weit fort«, sagten sie. »Wir sind hungrig. Wir sind arm. Können wir bei euerm Lager bleiben und die Speisen auflesen, die ihr fortwerfen werdet?«
»Gewiß,« sagte ich, »aber seht euch vor, daß ihr nicht mehr auflest, als ihr braucht.«
Diese einfältigen Leute hatten in dem Glauben, daß ich sie nicht erkennen würde, ihre Pferde in dem Wachthause von Lama Tschokden gelassen und versuchten nun als Schäfer verkleidet sich bei uns einzuschleichen mit der Absicht, unsere Bewegungen und Vorhaben bequemer zu beobachten. Natürlich waren sie niemand anders als die drei Soldaten von Gyanema.
Mit jedem Schritte unsers Rückzugs gegen den Himalaja wurde mein Herz schwerer und meine Stimmung gedrückter. Ich war voll von Kriegslisten, aber Pläne ersinnen und sie ausführen sind zwei sehr verschiedene Dinge.
Plötzliche Unterwürfigkeit der Banditen.
Wie oft waren meine Pläne nicht gescheitert! Wie oft hatte ich nicht von neuem anfangen müssen, wenn alles fertig und im besten Gange schien! Und dies sogar, wenn ich eine Fülle von gutem Material zur Verfügung hatte, mit dem ich arbeiten konnte. Jetzt hatten sich die Dinge sehr zum Schlimmen gewendet. Trotz meines unaufhörlichen Kampfes gegen das Schicksal wurden meine Aussichten auf Erfolg Tag für Tag geringer. Ich konnte nicht umhin, einzusehen, daß es schließlich doch mit der Kraft und Ausdauer meiner Leute und meiner selbst ein Ende nehmen müsse. Es ist hart genug, sich an eine schwierige Aufgabe zu machen; aber wenn man sie glücklich angefangen und schon viele Schwierigkeiten überwunden hat, wieder zurückgehen und von neuem anfangen zu müssen, das ist mehr als bitter.