Teufelssee mit Kelas (im Hintergrund der Mansarowar).

Die Aussichten waren trüb; ich stand vor dem augenscheinlichen Mißerfolg aller Anstrengungen und war der Treue meiner Leute nicht sicher.

In diesem Lager sagte mir z. B. der Daku, der seine Verkleidung schon mehrmals gewechselt hatte, seitdem wir mit Tibetern in Berührung kamen, er werde mich unverzüglich verlassen. Der Doktor hatte ihm schon die besten Worte gegeben, zu bleiben – ohne Erfolg. Wir wußten wohl, daß der Mann uns in dieser von Dakoit heimgesuchten Gegend nur verlasse, um seine alten räuberischen Gewohnheiten wieder aufzunehmen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wollte er sich irgendeiner Bande anschließen, und wir durften dann ohne Zweifel während der dunkelsten Stunden der Nacht seinen Besuch erwarten. Der Daku wußte, daß ich eine große Summe Geld bei mir führte; in den letzten beiden Tagen war sein Benehmen seltsam gewesen. War er einigen seiner Genossen begegnet? Oder hatte er von den Soldaten gehört, daß sie in der Nähe wären?

Der Daku hatte sich ein Bündel mit seinen Decken auf den Rücken gebunden, bereit, augenblicklich fortzugehen. Meine Leute, die durch diese neue Gefahr bekümmert wurden, berichteten mir dies. Ich schickte sofort nach ihm. Er sprach in barschem Tone, und mit auf den Boden gehefteten Augen sagte er:

»Ich gehe, Sahib.«

»Wohin?« fragte ich.

»Ich habe Freunde hier in der Nähe; ich gehe zu ihnen.«

»Sehr gut, geh!« sagte ich, indem ich ruhig mein Gewehr aufnahm.

Seine Last war in kürzerer Zeit von seiner Schulter herunter, als man zur Beschreibung des Vorfalls braucht. Er nahm seine Arbeit wie gewöhnlich wieder auf. Ein paar andere meuterische Kulis wurden auf demselben Wege zur Vernunft gebracht. Später erfuhr ich, daß kaum zwei Tage, nachdem dies geschehen war, eine Bande von Straßenräubern eine Gesellschaft nahe der Grenze angegriffen hatte. –

Wieder ein Marsch rückwärts! Wie schrecklich war das für mich! Und doch war es ratsam. Wir gingen mehrere Kilometer weit und lagerten am Ufer eines reißenden Flusses, des Schirlangtschu. Von diesem Punkte aus dürfte es mit einiger Schwierigkeit und Gefahr möglich sein, während der Nacht über das Gebirge zu kommen und den Versuch zu machen, den Spionen und Wachen auszuweichen, indem man quer durch die Wildnis zum Mansarowar ging. Ich entschloß mich, dies zu versuchen.