Bald nach Sonnenuntergang war die Kälte intensiv. Es schneite noch stark, und unsere nassen Kleider und Decken gefroren jetzt. Ich zündete eine kleine Spirituslampe an, um die wir uns alle dicht zusammendrängten, bedeckt mit unsern gefrorenen Umhüllungen. Ich versuchte sogar, etwas konzentrierte Fleischbrühe auf der Lampe zu kochen, aber infolge der großen Höhe über dem Meere brauchte das Wasser lange Zeit, bis es kochte, und als es eben lauwarm wurde, ging die Flamme aus, und ich hatte keinen Weingeist mehr; so mußte das Kochen aufgegeben werden, und wir krochen, als die Nacht kälter und kälter wurde, unter unsern Decken zusammen, in dem vergeblichen Bemühen, zu schlafen.
Wir hatten aus unserm Gepäck einen Schutzwall gemacht, und meine Leute bedeckten ihre Köpfe und den ganzen Körper mit ihren Decken; ich konnte mich jedoch mit ihrer Art zu schlafen nie befreunden, da ich dabei ersticken zu müssen glaubte. Ich ließ immer den Kopf frei, denn dies war nicht nur behaglicher, ich wollte auch bei irgendeinem Anzeichen, daß wir von den Tibetern überrascht werden sollten, auf dem Posten sein. Während der ganzen Nacht klagten und stöhnten meine Leute und klapperten krampfhaft mit den Zähnen. Ich wachte oft auf von einem heftigen, durch Erfrieren hervorgerufenen Schmerz in den Ohren; auch meine Augen litten, da die Augenwimpern sich mit Eiszapfen bedeckten. Jedesmal, wenn ich sie zu öffnen versuchte, hatte ich ein Gefühl, als ob die Wimpern abgerissen würden, da die Öffnung des Auges augenblicklich fest zusammenfror, wenn die Lider geschlossen wurden.
Endlich kam der Morgen! Die Nacht hatte endlos geschienen. Als ich die Decke zu heben versuchte, um mich aufzusetzen, schien sie von außerordentlicher Schwere und Steifheit zu sein. Kein Wunder! Sie war hart und steif wie Pappe gefroren und einen Fuß hoch mit Schnee bedeckt. Das Thermometer war während der Nacht auf 5 Grad unter Null gesunken. Ich rief meine Leute; sie waren schwer zu erwecken, auch sie waren im Schnee begraben.
»Uta, uta, uta! Aufstehen, aufstehen!« rief ich, indem ich einen nach dem andern schüttelte und so viel Schnee, als ich konnte, fortwischte.
»Barof bahut! Es ist viel Schnee!« bemerkte einer, als er seine Nase aus der Decke steckte und seine von dem Schnee ringsum geblendeten, schmerzenden Augen rieb. »Salaam, sahib«, fügte er hinzu, als er sein erstes Erstaunen überwunden hatte und mich bemerkte, und hob seine Hand graziös zur Stirn empor.
Die andern grüßten mich ebenso. Katschi war wie gewöhnlich der letzte, der geweckt wurde.
»Katschi,« schrie ich, »steh auf!«
»O bahiyoh! O Vater!« gähnte er, indem er die Arme ausstreckte. Halb im Schlaf, halb wach, sah er wie in einer Verzückung um sich, indem er unzusammenhängende Worte murmelte.
»Guten Morgen, Herr. O viel Schnee! O sieh, Herr, zwei Kiang dort! Wie heißt Kiang auf englisch?«
»Wilder Esel.«