»Wild? Du schreibst w…i…l…d?«

»Ja.«

Hier wurde das Notizbuch unter seinem Kopfkissen hervorgeholt und das Wort eingetragen.

Diese Schokas sind in der Tat sonderbare Leute! Der Durchschnittseuropäer würde unter solchen Verhältnissen, halb verhungert und erfroren, kaum an die Rechtschreibung denken.

Man Sing, der arme Aussätzige, litt furchtbar. Er weinte die ganze Nacht hindurch. Ich hatte ihm eine meiner Decken gegeben, aber sein Blutumlauf schien gehemmt zu sein. Sein Gesicht war grau und leichenhaft, mit tiefen vom Leiden gezogenen Furchen, und seine Füße waren so erfroren, daß er eine Zeitlang nicht stehen konnte.

Wieder wollten die Schokas nichts essen, denn der Schnee fiel noch immer. Wir machten uns nach Nordost auf den Weg. Nach zwei Kilometer auf ebenem Boden begannen wir einen steilen Abstieg über unangenehme lose Gesteinstrümmer und scharfe Felsen. Das Vorwärtskommen war schnell, aber sehr mühevoll.

Als ich das Land unter meinem Fernrohr absuchte, bemerkte ich tief unten im Tale im Nordosten Gesträuch und Flechten und auch ein Zelt und einige Schafe. Das war schlimm, denn wir mußten unsere Richtung ändern, um nicht gesehen zu werden. Wieder kletterten wir zu der Höhe des Plateaus empor und gingen unbemerkt um den Gipfel des Berges herum, eine mehr östliche Richtung einschlagend. Gegen Sonnenuntergang begannen wir unsern Abstieg von dem letzten Punkte und überschritten den Fluß ohne große Schwierigkeit.

Nachdem wir eine gut geschützte Bodensenkung ausgesucht hatten, schlugen wir mein kleines Zelt auf. Mit Eifer gingen wir alle daran, Flechten und Sträucher für unsere Feuer zu sammeln, und jeder Mann brachte mehrere Lasten Brennmaterial ins Lager. In einem Augenblick loderten drei große Feuer, und wir waren nicht nur imstande, ein besonders reichliches Mittagessen zu kochen und unsere Mühen in einem Eimer kochenden Tees zu ertränken, sondern wir konnten auch unsere Kleider und Decken trocknen. Die Erleichterung durch die Wärme war wunderbar, und wir vergaßen in unserm verhältnismäßigen Glück das Ungemach und die Leiden, die uns bisher betroffen hatten. Mit Ausnahme einer Handvoll Satu war dies die erste Mahlzeit, die wir seit achtundvierzig Stunden gehabt hatten.

Achtzehntes Kapitel.
Das Schreckenslager.

Vor uns, nach Nordosten zu, war ein hoher Berg, dann weiter gegen Osten ein schmales Tal zwischen zwei Hügelzügen, während in Westsüdwest ein Fluß durch eine malerische Schlucht floß.