Ich ging daher zu ihr hin, klopfte ihr auf die Schulter und gab ihr sogar eine Rupie, um ihr den Mund zu stopfen. Sie griff hastig nach der Münze und rieb sie auf ihrem Fellrocke, um das Silber zum Glänzen zu bringen. Sie rieb das Geldstück, bis es ganz blank war, dann schlug sie ihre feurigen Augen auf, starrte in die meinigen und streckte, um ihren Dank auszudrücken, die Zunge heraus.
Katschi und Dola, die gut tibetisch sprechen, wurden jetzt herbeigerufen, um die Stegreifritter in meinem Namen anzureden. Die beiden Schokas waren in solcher Aufregung, daß sie kaum gehen, geschweige denn sprechen konnten. Als sie jedoch sahen, wie ich mit diesen vermeintlich schrecklichen Räubern umsprang, waren sie endlich imstande, zu dolmetschen.
»Sie sollen mir einige Jake und Pferde verkaufen,« sagte ich, »ich werde sie gut bezahlen.«
»Sie sagen, sie könnten es nicht tun. Der Tarjum würde ihnen die Köpfe abschneiden, wenn er es erführe. Nur einen oder zwei Jake wollen sie verkaufen.«
»Gut. Was kosten sie?«
»Zweihundert Silberrupien. Aber,« fügte Dola hinzu, »Sahib, gib ihnen nicht mehr als vierzig. Das ist schon viel mehr, als die Tiere wert sind. Ein guter Jak kostet sonst zehn bis sechzehn Rupien.«
Nach ungefähr vier Stunden Handelns, währenddessen die Banditen allmählich von 200 Rupien auf 40 herabgingen und ich von 20 zu dieser Summe hinaufstieg, kamen wir endlich dahin überein, daß ihre beiden besten Jake mein Eigentum werden sollten. Dann kaufte ich noch Packsättel und allerhand andere Raritäten von ihnen. Wir waren jetzt sehr freundschaftlich miteinander. Sie gaben mir sogar Tee und Tsamba. Die feurige Frau hielt immer noch die Augen auf mein Gepäck gerichtet, und ihre Gier nach meiner Habe schien sich zu steigern, als sie mich die Jake bezahlen sah. Aber wenn sie ein Auge auf meine Habseligkeiten richtete, so hielt ich meine beiden darauf, und ich sorgte dafür, daß meine Büchse nie aus meiner Hand und daß niemand mir je zu nahe kam.
Ich zählte das Geld auf, ungefähr 50 Rupien für sämtliche Einkäufe. Jedes Geldstück wurde herumgereicht und von jedem der Verkäufer auf seinen Klang geprüft. Als die ganze Summe übergeben war, wurden die Geldstücke wieder von Hand zu Hand zurück herumgegeben und wieder gezählt, damit ja kein Irrtum unterlaufe. In Tibet ist Zeit nicht Geld, und meine Leser werden daher auch nicht erstaunt sein, wenn ich ihnen sage, daß das wiederholte Zählen und Prüfen der kleinen Summe zwei weitere Stunden in Anspruch nahm. Schließlich wurden uns die beiden Jake übergeben. Der eine war ein ungeheuer großes, langhaariges, schwarzes Tier, unruhig und sehr stark; der andere ebenfalls schwarz, kräftig und behaart, aber etwas sanfter.
Aquarellskizze von H. S. Landor.