Eingang in den Lamatempel von Tucker.

Wir stiegen ungefähr 4 Kilometer zu der Ebene hinab und überschritten ein reißendes Delta des Flusses Langa Tsangpo oder Langa; zwei Kilometer weiter überschritten wir noch einen Fluß. Da diese Flüsse direkt aus den Schneefeldern kommen, war das Wasser sehr kalt und unterwegs infolge des Schmelzens von Schnee und Eis oft bis 11/3 Meter tief.

Unser Lager im Schutze einer Felswand mit der Inschrift: »Om mani padme hum«.

Kaum hatten wir die Ufer des Mansarowar erreicht, als aus den schweren Wolken über unsern Köpfen ein solcher Regenschauer niederging, daß wir in einem Augenblick bis auf die Haut durchnäßt wurden. Wir marschierten sehr schnell, da alle unsere schweren Lasten jetzt auf den beiden Jaken waren. Aber die Nacht war schon vorgeschritten und die Dunkelheit so groß, daß wir nur wenige Zentimeter vor uns sehen konnten. Wir gingen in drei bis fünf Zentimeter hohem Wasser, und ein starker Südostwind trieb uns Regen und Hagel so heftig ins Gesicht und auf die Hände, daß wir beträchtliche Schmerzen empfanden. In unsern nassen Kleidern froren wir, und unsere Zähne klapperten, obgleich wir uns dicht aneinander hielten und schnell marschierten. Von Zeit zu Zeit wurde der See von einem grellen Blitzstrahl erhellt, dem ein furchtbarer Donnerschlag folgte. Nach dem, was wir während der wenigen hellen Sekunden sehen konnten, versuchten wir, unsern Weg nach dem Dorfe und der Gomba von Tucker zu finden.

Die infolge des strömenden Regens angeschwollenen Flüsse waren schwer zu durchschreiten, und das Wasser floß so reißend, daß wir uns eben nur auf den Füßen halten konnten. Wir waren so naß, daß wir uns nicht mehr die Mühe nahmen, Schuhe oder Kleider auszuziehen. Dreimal gingen wir bis über die Hüften in das eisige Wasser hinein, dann wanderten wir scheinbar endlos auf dem mit Steinen bedeckten Abhang. Wo wir gingen, konnten wir nicht sehen, und der Sturm schien mit jedem Augenblick schlimmer zu werden. Zwischen größern Steinen und Blöcken stolperten wir dahin und fielen dann wieder auf schlüpfrigen Felsen übereinander. Weiterhin versanken wir bis an die Knie in Schlamm, und jedesmal, wenn wir den Fuß hoben, schien er wie von Blei zu sein.

»Bist du ganz sicher, Katschi, daß dieser See die Wohnung der Götter ist?« fragte ich Katschi. »Selbst am Teufelssee hatten wir doch besseres Wetter als jetzt.«

»Ja, Herr«, erwiderte Katschi. »Aber du machst die Götter zornig, und deshalb schicken sie Donner, Hagel und Regen, um dein Vordringen aufzuhalten. Du gehst gegen die Götter vor, Herr.«

»Laß gut sein, Katschi, es kann nicht ewig gießen.«

Um Mitternacht hatten wir keine Idee, wo wir uns befanden, aber wir drangen vorwärts.