Waren wir an der Gomba schon vorüber? Hatten wir sie noch nicht erreicht? Das waren die Fragen, die wir einander vorlegten. Mir schien es, daß wir bei der Geschwindigkeit, mit der wir gingen, jetzt dem Orte schon sehr nahe sein müßten, und doch konnten wir nach einer weitern Stunde des Wanderns ihn noch nicht ausfindig machen. Ich war in dem Glauben, daß wir ungefähr 16 Kilometer marschiert seien, und meinte, daß wir an dem Kloster vorbeigegangen sein müßten; aber die Schokas bestanden darauf, es sei nicht der Fall. So gingen wir weiter.
Wir waren noch nicht 500 Meter gegangen, als wir aus der Ferne ein schwaches, uns willkommenes Hundegebell vernahmen. Es kam aus Nordwesten, und wir vermuteten, daß es aus Tucker kommen müsse. In der Dunkelheit waren wir zu weit südlich von dem Orte geraten.
Von dem Gebell geleitet, richteten wir unsere Schritte eilig direkt auf die Ansiedelung. Das Geheul des einzelnen Hundes wurde auf einmal durch das zornige Gebell von fünfzig andern verstärkt, aber trotzdem wir aus dem Tone erkannten, daß wir uns dem Dorfe näherten, konnten wir den Ort nicht finden, so dunkel und stürmisch war es. Erst als wir dicht vor den Lehmhütten waren, bemerkten wir sie.
Es war zwischen 2 und 3 Uhr morgens. Der Regen goß noch in Strömen, und nirgends ein Zeichen, daß irgendeiner der Einwohner willens gewesen wäre, uns ein Obdach zu gewähren. Es konnte keine Rede davon sein, unser kleines Zelt aufzuschlagen, denn unsere Sachen waren schon zum Auswinden naß.
Das Geräusch, das wir machten, als wir an eine Tür klopften, war so stark, daß die Tür selbst beinahe nachgab. Es war ein Serai, ein Schutzhaus für Pilger; da wir den Anspruch erhoben, Pilger zu sein, hatten wir nach den Landesgesetzen das Recht, eingelassen zu werden. Nattu, der schon früher einmal auf einem andern Wege den See erreicht hatte, führte uns zu diesem Hause.
»Ihr seid Dakoit,« sagte eine heisere Stimme von innen, »sonst würdet ihr nicht um diese Stunde kommen.«
»Nein, das sind wir nicht«, sagten wir. »Bitte, öffnet. Wir sind wohlhabende Leute. Wir wollen niemand etwas zuleide tun und für alles bezahlen.«
»Middu, middu! Kann nicht sein, nein! Ihr seid Dakoit, ich werde nicht öffnen.«
Um zu zeigen, daß wir nicht das waren, was sie vermuteten, klopften der treue Tschanden Sing und Dola wieder so sanft an die Tür, daß der Riegel nachgab. Im nächsten Augenblick kauerten zehn Fremdlinge sich rings um ein warmes Feuer nieder und trockneten ihre zusammengeschrumpfte, durchweichte Haut am Feuer von trockenen Tamarisken und Dung. Der Wirt, beiläufig gesagt ein Arzt, beruhigte sich, als er sah, daß wir keine bösen Absichten hatten, und als er einige Silbermünzen auf seiner Handfläche fand. Dennoch sagte er, es würde ihm lieber sein, wenn wir anderswo schliefen, nebenan wäre eine vortreffliche leere Hütte. Als wir hierauf eingingen, führte er uns an den Ort, wo wir den Rest der Nacht oder vielmehr des Morgens zubrachten.