Unser Aufenthaltsort war ein aus Steinen und Lehm erbautes eingeschossiges Haus mit flachem Dach. Es hatte zwei Zimmer, von denen das erste sein Licht durch die Tür empfing, während das zweite, größere eine viereckige Öffnung in der Decke hatte, die dem dreifachen Zwecke der Ventilation, des Lichtzutritts und der Entfernung des Rauches von dem Feuer diente, welches gerade darunter in der Mitte des Zimmers brannte. Die Balken und Sparren, die das Dach trugen, waren von jenseit des Himalaja herübergebracht worden, da sich im westlichen Tibet kein Holz findet.

Dieses Serai wurde von einem jungen, halb wahnsinnigen Lama verwaltet, der mit Begrüßungen äußerst verschwenderisch war und längere Zeit mit offenem Munde dastand und uns anstarrte. Er war so freundlich, uns am Morgen zu helfen, unsere Sachen zu trocknen. Wir mochten fordern, was wir wollten, immer rannte er mit tollen Ausbrüchen von Heiterkeit aus dem Serai und brachte stets, was wir wünschten.

Das schwere Gewitter während der Nacht hatte unser Zimmer überschwemmt, und nur in einer Ecke war es etwas trockener als auf dem übrigen Teil des Fußbodens; in dieser Ecke schliefen wir alle, in einen Haufen zusammengekrochen.

Die Serais machen keinen Anspruch auf Reinlichkeit. Während des Regens hatte sich das ganze Kleintierleben, das den Fußboden bewohnte, in der Absicht, das Wasser zu vermeiden, in den höhern Teil des Zimmers zurückgezogen, den auch wir gewählt hatten, so daß zu all unsern andern Leiden eine neue Prüfung hinzukam: wir wurden von einer Masse verschiedenartiger Insekten halb aufgefressen. Es war in der Tat eine furchtbare Plage, von der wir nicht allein bei dieser Gelegenheit, sondern jedesmal, wenn wir in der Nähe von tibetischen Lagern haltmachten, unbeschreibliche Qualen litten. Als wir am Morgen aufstanden, war das Zimmer voll von Tibetern, Männern, Weibern und Kindern, die sehr gutmütig und freundlich schienen.

»Tanga tschik!« (eine Silbermünze im Werte einer halben Rupie) rief ein altes Weib, das mir einen getrockneten Fisch unter die Nase hielt, indem sie mit großer Redseligkeit erzählte, daß er im Mansarowar gefangen worden sei und daß er seinen Besitzer zum glücklichsten Sterblichen machen würde. Andere zeigten uns Stücke rotes Tuch, Juwelen in Form von Broschen, Ringen und Ohrringen aus Messing oder Silber und mit Malachit eingelegt.

»Gurmoh sum!« (drei Rupien). »Diu, diu, diu.« (Ja, ja, ja.) »Karuga ni!« (zwei Zwei-Anna-Stücke). »Gieutscheke!« (ein Vier-Anna-Stück) und so weiter schallte es, indem alle zugleich schrien, begierig, ihre Waren loszuwerden.

Die Schmucksachen waren einheimische Arbeit; in einigen Fällen waren die Malachitstücke fest gefaßt; gewöhnlich wird aber eine Art Paste angewendet, um die Steine festzuhalten, und dann zerbrechen die Schmucksachen, so hübsch sie auch sind, immer schnell.

Die Ohrringe sind gewöhnlich besser gearbeitet als die Broschen. Am interessantesten sind die flachen, silbernen, mit primitiver Zeichnung verzierten Amulette.

Die Töpferwaren werden aus einem feinen Ton hergestellt, der aber vor dem Verarbeiten zu Vasen, Krügen usw. nicht geschlagen wird. Formen werden nur angewendet, um die untern Teile der größern Gefäße herzustellen, die innern Teile werden mit der Hand geformt; dann erleichtert eine rohe Drehscheibe die Ausarbeitung des obern Teils des Gefäßes und macht ihn verhältnismäßig glatt. Zwei Henkel mit rohen Linienornamenten werden an den größern Gefäßen angebracht; für die Krüge mit längerm Hals und kleinerer Öffnung genügt einer.

Die Fläche wird ziemlich glatt und unglasiert gelassen. Die Gefäße werden in primitiven Öfen gut gebrannt, die Lamas zeigen große Geschicklichkeit in der Herstellung derselben, die unter den Pilgern nach dem Heiligen See guten Absatz finden. Die zur Anfertigung der Gefäße benutzten Werkzeuge sind außerordentlich einfach: ein flacher Stein und zwei oder drei Holzstäbe; denn der Töpfer von Tucker braucht in Wirklichkeit nur die Finger und Nägel zur Vollendung seines Werkes.