Die Sixtinische Madonna
Von Raffael Santi
Geboren 7. April 1483 in Urbino, gestorben 6. April 1520 in Rom. — Gemäldegalerie in Dresden
Maria, aller Gnaden Born,
Du reine Rose sonder Dorn,
Du sonnenklare Krone!
Walter von der Vogelweide
Seit vielen Jahrhunderten sind alle Mittel der Kunst in üppigster Weise verschwendet worden, um in Kultbildern die Herrlichkeit und Süße, die Hoheit und Gnade der himmlischen Jungfrau zu besingen. Wie Weihrauchduft an heiliger Stätte steigen stündlich in allen Zonen und Zungen der Welt ambrosianische Lobgesänge zu Ehren ihres unvergänglichen Namens zum Himmel. Zahllose Bilder aus Marmor und Holz künden den Ruhm und Reichtum ihres Lebens und erzählen von der Gnadensendung, zu der sie erkoren ward. Aber kein Kunstmittel hat durch die Jahrhunderte mit solcher Innigkeit und Liebe diesen schier unerschöpflichen Vorwurf gewählt wie gerade die Malerei. Mit ihren zarten und sanften Tönen war es ihr beschieden, das seelische Bild der „Gebenedeieten unter den Weibern“ am reinsten und vollendetsten zu veranschaulichen. Unter den berühmten Künstlern, denen dieser große Wurf in höchster Meisterschaft gelungen ist, steht Raffael wohl unbestritten mit an erster Stelle. In zahlreichen Kunstwerken hat er das Urbild der Jungfrau mit seinem Pinsel verewigt. Am herrlichsten und eindringlichsten aber hat er uns die Madonna mit dem Kindlein in dem Altarbilde nahegebracht, das er für die Mönche der Klosterkirche zu Piacenza (am Po in Oberitalien) malte, die dem heiligen Sixtus geweiht war. Das ist die „Sixtinische Madonna“ oder die „Madonna di San Sisto“. Nicht für alle Zeiten sollte das glorreiche Gemälde an der Stelle bleiben, an die es der Meister selbst nach der Vollendung aus Rom gebracht hatte. Im Jahre 1754 verkauften die Benediktinermönche zu Piacenza das wunderbare Gemälde um eine für damalige Zeiten namhafte Geldsumme an den kunstbegeisterten Kurfürsten Friedrich August II. von Sachsen, den Sohn Augusts des Starken. In der Dresdner Gemäldegalerie hängt das berühmte Altarbild in einem kleinen kapellenähnlichen, von den großen Sälen abgesonderten Raum seit nun bald zweihundert Jahren. Noch immer leuchtet es in altem Glanze, noch immer trägt es jahraus, jahrein in das Leben Von Tausenden und Abertausenden, die anbetend vor ihm stehen, Glanz und Schönheit, Freude und Trost, Licht und Hoffnung, Zuversicht und Kraft... Allen ist die Madonna das erhabene Sinnbild der allgütigen Helferin, der Trösterin der Betrübten und Trauernden, der Mutter der Mütter:
Sie ist der Frauen Krone,
Sie ist der Mägde Kranz,