Seht sie euch an, wie sie da breit und klobig vor euch sitzt. Die Farben sind spärlich: ein sanftes Violett der Jacke, ein kräftigeres Weiß der Flügelhaube und flatternden Krause und die wärmeren Fleischtöne des verwitterten Gesichts, das ist alles. Wohl schimmert die Zinnkanne im klaren Silberglanz, wohl huschen über die Gestalt noch einige frohe Lichter, dennoch, die Farbenpracht ist nicht reich. Aber welches Leben atmet diese Gestalt! Welche Fülle von ungebrochener, gestählter Kraft blitzt aus diesem Gesicht! Wir wissen nichts Bestimmtes von Hille Bobbe. Wer mag sie gewesen sein? War auch sie nicht einmal jung wie ihr? Saß sie wohl immer im verräucherten Schanklokal und füllte die Kannen und schlanken Römer? War sie eine alte Zauberin, die in der Geisterstunde auf einem Besen durch die Lüfte ritt? Kannte sie die dunkle Kunst des Wahrsagens? War sie eine böse Hexe aus alten Märchen? War sie den Matrosen und Fischern wie eine Mutter und betreute jeden, der in ihre Schänke kam? Wurde sie geliebt und verehrt? Sah sie den derben Zechern gutmütig zu, wenn sie beim Würfelspiel das blanke Geld verloren? Wir wissen es nicht!

Frans Hals hat diese Frau verewigt wie all das, was sein Künstlerauge fesselte. Er sah nie Häßlichkeit, nur die Natur. Und was gesunde Natur war, das umfaßte er mit der Kraft seiner begnadeten Kunst. So malte er Hille Bobbe, als sie die Kanne heben wollte, um einem Kumpane zuzutrinken. Daß sie just so herzlich lacht, ist wohl ihr Dank gewesen für Frans Hals.

In diesen Schanklokalen der holländischen Hafenstädte herrschte meist ein freies, ungebundenes Leben. Hier konnte die bunt zusammengewürfelte Gesellschaft — reisende Kaufleute, Händler, Soldaten, Schifferknechte, Bürger mit ihren Frauen, Söhnen und Töchtern — dem Frohsinn und der Ausgelassenheit die Zügel schießen lassen. Hier wurde getanzt und gespielt, gescherzt und gezecht, geraucht und musiziert, und hier, unter dem allzeit fröhlichen Völkchen, hatte der Künstler Gelegenheit, Studien zu machen und Modelle zu finden. Aus dieser Sphäre stammt denn auch Hille Bobbe.

Und wenn ihr Hille Bobbes Bild im Kaiser-Friedrich-Museum grüßt, dann fragt ihr sie wohl mal, wer sie war. Vielleicht liebt sie die Jugend und verrät es euch. Vielleicht! Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, daß Hille Bobbe auf meine Fragen immer schwieg, klug schwieg, wie die Eule, die geheimnisvoll auf ihrer linken Schulter hockt.

Fränze Eleonore Röcken.

Maria Theresia
Von Velasquez

Getauft 6. Juni 1599 in Sevilla, gestorben 7. August 1660 in Madrid. — Kunsthistorische Sammlungen in Wien

[Bild 17]

Die meisten Maler, von denen die Geschichte erzählt, sind arme Teufel gewesen und haben sich ihr Leben lang sauer durchgeschlagen. Sie waren wenig geehrt und verkehrten mehr mit dem niederen Volk als mit den Vornehmen. Rembrandt zog sogar in die Amsterdamer Judenstadt, was nach der damaligen Auffassung einer Ausstoßung gleichkam. Andere aber, wie Raffael, Tizian, Rubens waren große Kavaliere und brachten es wohl auch zu ansehnlichem Reichtum. Kaum irgendein anderer Künstler aber war zeitlebens ein so vornehmer Herr und vollendeter Hofmann wie Spaniens bedeutendster Maler Don Diego de Silva Velasquez, der Urheber des Bildes der kleinen spanischen Prinzessin Maria Theresia, das wir hier miteinander betrachten wollen.