Wem wären die beiden kleinen szenischen Dichtungen Goethes: „Künstlers Erdenwallen“ und „Künstlers Apotheose“ nicht bekannt? In der ersten führt uns der Dichter einen wackeren Maler im Kampfe mit der Alltäglichkeit und mit der Sorge ums tägliche Brot ringend vor, in „Künstlers Apotheose“ zeigt er, wie ein Werk jenes Künstlers mit den höchsten Ehren in eine fürstliche Galerie aufgenommen wird — nachdem sein Schöpfer schon lange nicht mehr unter den Lebenden weilt. „Der Plafond eröffnet sich, die Muse, den Künstler an der Hand führend, erscheint auf einer Wolke“ und kündet Worte des Trostes für jeden Tüchtigen, dessen Streben zu seinen Lebzeiten nicht die volle, verdiente Anerkennung fand.

Es wirkt mit Macht der edle Mann

Jahrhunderte auf seinesgleichen.

Denn was ein guter Mensch erreichen kann,

Ist nicht im engen Raum des Lebens zu erreichen.

Drum lebt er auch nach seinem Tode fort

Und ist so wirksam, als er lebte:

Die gute Tat, das schöne Wort,

Es strebt unsterblich, wie er sterblich strebte.

Ein wenig an das Schicksal jenes braven, nicht genügend anerkannten Künstlers, von dem der Dichter singt, erinnert das des Malers Caspar David Friedrich.