Als er so gesprochen, bedrohte er sie mit grausamer Folter, wofern sie sich nicht zur Ruhe begebe und das Beten sein lasse. Christina aber sprach unerschrocken: „Mühe dich nicht vergeblich ab, böser Dämon, mich durch Lügengerede und Drohungen vom Lobe meines Herrn Jesu Christi abzubringen. Jemehr du mich davon abzukehren suchst, desto mehr bestärkst du mich darin und solltest du mir selbst meine Zunge rauben, so würde doch mein Herz und meine Seele fortfahren, den Herrn zu preisen.“ Darauf machte sich der Versucher beschämt von dannen.
Am Freitage nach St. Martin 1280 ging Christina morgens mit großer Sehnsucht zur Kirche, um die h. Kommunion zu empfangen. Da kam hinter ihr die Dienstmagd ihres in Cöln wohnenden Bruders Heinrich, die Christina hieß, auf dem Kirchweg hergelaufen, faßte sie am Kleide an und sprach: „Teuerste Jungfrau, warum habt Ihr nicht auf mich gehört. Schon eine Weile laufe ich Euch nach und oft schon habe ich Euch zugerufen. Kommt doch schnell wieder um; denn ich habe Euch einen wichtigen Auftrag von Euerem Bruder mitzuteilen.“ Christina erwiderte: „Teuere Namensschwester, verzeihet mir, wenn ich Euch beleidigt haben sollte. Denn der Herr weiß es, daß ich Euch gar nicht rufen gehört habe. Wisset aber, daß ich durchaus nicht mit Euch zurückgehen werde.“ Da begann das vermeintliche Dienstmädchen zu seufzen und sprach mit tränenerstickter Stimme: „Teuerste Jungfrau, nun muß ich es Euch gerade heraussagen, weshalb ich gekommen bin. Euer Bruder Heinrich ist tödlich verwundet und er schickt mich zu Euch. Und so bin ich die ganze Nacht hindurch gelaufen, um Euch desto eher die Nachricht bringen zu können. Ihr wisset ja, daß dieser Euer Bruder ohne Furcht und Erkenntnis Gottes, zum großen Nachteile seines Seelenheiles, immer in der Welt gelebt hat. Kommet also Teuerste, und stehet Euerem Bruder bei, der dem Tode nahe ist; denn Ihr könnt durch Euere frommen und heilsamen Ermahnungen in seinem Herzen das Feuer der Buße wecken, das Licht der Erkenntnis Gottes entzünden und so seine Seele der Pforte der Hölle entreißen und dem himmlischen Vaterlande zuführen.“ Aus diesen wohlgesetzten Worten, die darauf berechnet waren, in Christinas Herzen Regungen der Selbstgefälligkeit hervorzurufen und sie vom Empfange der h. Kommunion abzuhalten, schöpfte sie Argwohn und gab zur Antwort: „Gott, der Schöpfer und Erhalter aller Menschen, wolle nach seiner Güte meinen Bruder stärken und erhalten. Ich kann aber jetzt nicht umkehren; denn ich habe mir vorgenommen, die h. Kommunion zu empfangen.“ So sprach sie und ging eiligen Schrittes auf die Kirche zu. Im gleichen Augenblicke aber fiel ein schwarzer Hund sie an, zerrte sie an den Kleidern und hinderte sie am Weitergehen. Christina aber rief den Namen Jesu Christi an und befahl dem Versucher, zu offenbaren, wer er sei. Dieser gestand nun, daß er es gewesen, der in Gestalt der Magd ihr nachgelaufen, sie über die Verwundung ihres Bruders belogen, um ihr Gemüt zu verwirren und sie von der h. Kommunion abzuhalten.
Mit innigster Liebe hing Christina an ihrem jüngsten Bruder Sigwin, weil er ein gelehriges Herz zeigte, sich auf dem Wege der Vollkommenheit unterweisen zu lassen. Der Teufel, der jede Neigung des Herzens erspäht, um sie zu Versuchungen auszunutzen, wußte auch aus dieser besondern Zuneigung Christinas zu ihrem Bruder ihr einen Fallstrick zu drehen. Als Sigwin nach Schweden abgereist war, und noch keine Nachricht über seine Aufnahme in den Predigerorden eingetroffen war, nahm der Versucher zu drei verschiedenen Malen Sigwins Gestalt an und trat Christina auf dem Kirchweg hinter dem Dorfe entgegen. Das erste Mal wurde sie über seine vermeintliche Rückkehr sehr betroffen, faßte sich aber und umarmte ihn sehr freundlich, ohne zu vermuten, daß es der Versucher sei. Dieser aber konnte seine Freude über die Ueberlistung Christinas nicht verbergen und verschwand unter Hohngelächter. Als er aber zum dritten Male in Gestalt Sigwins sie auf dem Kirchwege zu beunruhigen versuchte, erkannte sie, vom Herrn belehrt, allsogleich seine Arglist und sprach zu ihm: „Weshalb verwandelst du Bösewicht dich in fremde Gestalten? Und warum beunruhigst du mich unter der Gestalt meines Bruders?“ Er antwortete: „Wenn ich dich auch nicht vollends habe hintergehen können, so wollte ich doch wenigstens dein Gebet unterbrechen, weil ich wußte, daß dein Herz Hinneigung hat zu deinem Bruder.“ Als Christina dies hörte, kniete sie nieder und bekannte sich schuldig vor dem Herrn, in dem Punkte nämlich, daß ihre Andacht so lau gewesen, daß der Dämon in Gestalt ihres Bruders sie darin habe stören können.
Ein anderes Mal kam ihr, als sie zur Kirche ging, jemand nach in Gestalt eines Briefboten und fragte sie, ob sie die Jungfrau sei, die Christina von Stommeln genannt werde. Betroffen sprach sie, warum er so genau nach ihrem Namen frage. Er entgegnete, Bruder Petrus aus Gotland habe ihn gesandt, um ihr einen Brief zu überbringen und Näheres über ihren Bruder Sigwin mitzuteilen. Da freute sich Christina und ersuchte ihn, es nur gleich zu erzählen. Da fuhr jener fort: „Erschrecket nicht, Sigwin ist gestorben.“ Da erhob Christina die Augen gegen Himmel und sprach: „Wenn der gute Knabe, mein geliebter Bruder, der Welt abgestorben ist, so bete und wünsche ich, daß er ewig leben möge im Herrn Jesus Christus.“ Und als sie das gesagt, begann sie bitterlich zu weinen. Sobald sie begonnen zu weinen, hatte sich die Gestalt des Briefboten als Trugbild des Versuchers erwiesen. Christina wies alsbald den Betrüger von sich. Dieser aber erhob ein lautes Hohngelächter und rief: „Nun habe ich dich doch wenigstens zum Weinen gebracht,“ und dann verschwand er.
Am Dreikönigentage des Jahres 1283, als Christina frühe vor der Messe um das Dorf zur Kirche ging, nahte sich ihr der Versucher abermals und sprach: „Wolltest du doch mir folgen und dein leeres Geplapper — er meinte das Stundengebet — aufgeben, so würde ich dich mit Reichtum und Ehren überhäufen und dich die Kunst lehren, wie du im Augenblicke an jedem beliebigen Orte der Welt sein könntest. Dann könntest du auch sofort jenes Kloster besuchen, in dem dein Bruder sich befindet, den du so sehr liebest und sehen, wie er sich befindet und daraus großen Trost gewinnen.“ Christina fertigte ihn ab mit den Worten: „Weiche von hinnen mit deiner Wissenschaft und deinem Trost; Jesus Christus beut mir wahre Wissenschaft und sichern Trost.“
Alle Verführungskünste bietet der Feind des menschlichen Heiles auf, um die Seelen, die auf dem Wege der Vollkommenheit mutig voranschreiten, zu verwirren und vom rechten Wege abzubringen. Schmeicheleien und Lobhudeleien wechseln ab mit Drohungen und Mißhandlungen. So wurde auch Christina nicht immer mit Schreckbildern geplagt. Als Christina in einer Nacht nach Pfingsten im Jahre 1281 wegen der drückenden Hitze in ihrem Hofe auf und ab ging und betete, zeigte sich eine Lichterscheinung in Gestalt eines Jünglings über ihr in den Lüften, die mit ihren Strahlen Haus und Hof erhellte. Christina erkannte diese Erscheinung als Täuschung, beschwor deren arglistigen Urheber im Namen Jesu Christi zu verschwinden oder sich in Finsternis zu verwandeln, und alsbald trat Dunkelheit ein. Im Januar 1282 kamen Engelsgestalten zu ihr, als sie nachts in ihrem Kämmerlein im Gebete wachte. Brennende Kerzen trugen sie in ihren Händen und mit den süßesten Worten erhoben sie Christinas Verdienste, und sagten, sie seien von Christus beauftragt, ihr an dieser Stätte, wo sie soviel für ihn gelitten, in dieser Nacht zu dienen und ihr aufzuwarten, und ihr durch die Helle des Lichtes Tröstung zu bereiten. Christina aber erkannte auf den ersten Blick das Blendwerk des Teufels, verdemütigte sich in ihrem Herzen vor dem Herrn und sprach dann: „Geister der Finsternis, durch Jesus Christus, der da ist der Abglanz der Herrlichkeit des Vaters, beschwöre ich euch, abzulegen den Glanz des Lichtes, der euch nicht zukommt und zurückzukehren ins Reich der Finsternis.“ Und alsbald war der gleisnerische Spuk verschwunden und an seine Stelle trat wieder der grausame Verfolger.
Ein anderes Mal wurde sie auf dem Sandberge in Stommeln in die Lüfte erhoben, mit Lichtglanz umhüllt und von Gestalten, die Engeln ähnlich sahen, mit jubelnden Zurufen begrüßt und eingeladen, zu ihnen zu kommen. Aber auch diese List verfing nicht. Christina verachtete das Gaukelspiel, ließ sich nicht zur Selbstgefälligkeit verleiten und erwiderte, sie wolle lieber aus Liebe zu Christus leiden als trügerische Tröstungen annehmen. Doch auch wirkliche Tröstungen wundersamer Art bereitete ihr mitunter der Herr des Himmels und Gebieter der Natur. Als die Unholden der Finsternis sie in einer Nacht des Adventes 1285, der vorletzten vor Weihenacht, am zugefrorenen Sumpfe im Gohrbroich gar jämmerlich zugerichtet hatten, kamen sieben Wölfe herbei; die ihre natürliche Wildheit ablegten, gleich sanften Lämmern an Christina herantraten, mit ihrem warmen Hauche ihre erfrorenen Glieder erwärmten und dann vor ihr die Köpfe senkten, als wollten sie zum Abschiebe Christinas Segen erbitten. Da dankte Christina im Herzen ihrem Schöpfer, wurde innerlich getröstet und gebot dann im Namen Jesu Christi, dem selbst die wildesten unvernünftigen Geschöpfe gehorchen, den Teufeln, zu bekennen, weshalb sie ihr so unmenschliche Qualen zugefügt hätten. Sie bekannten, daß sie auf Befehl Gottes sie für die Sünden anderer gepeinigt hätten, verschwanden alsdann, und Christus selbst trat herzu, um Christina in ihr Kämmerlein zurückzuführen. Christinas Seele vertieft sich an Demut, steigt an Gottwohlgefälligkeit. Nicht mehr sind es Engel, die Christina nach überstandener Folter erquicken und trösten, der Herr der Engel selbst, Christus, der Seelenbräutigam, würdigt sich, sie heimzusuchen und gleich ihm wird sie durch Leib und Kreuz Siegerin und Gebieterin über die stolzen Mächte des Reiches der Finsternis. Was David im 90. Psalme singt, das traf auch, wie Petrus von Dazien[52] in einem seiner Briefe an Christina bemerkt, bei dieser zu. Sie spricht zum Herrn: „Meine Zuflucht bist du und mein Hort, mein Gott, ich vertraue auf dich. Und der Herr rettet dich vor des Jägers Schlinge und vom bösen Worte. Mit einem Schilde umgibt dich seine Wahrheit, nicht hast du zu fürchten vor den Schrecknissen der Nacht, vor dem schwirrenden Pfeile, der bei Tage fliegt, vor dem Unholde, der im Finstern schleicht ... Seinen Engel hat er geboten, dich zu schützen auf allen deinen Wegen; auf den Händen werden sie dich tragen, daß du nicht deinen Fuß an einen Stein stoßest. Ueber Vipern und Basilisken wirst du einherschreiten und niedertreten Löwen und Drachen ... Rufst du zu mir, so spricht er, so werde ich dich erhören; bei dir bin ich in der Bedrängnis, ich befreie dich und ich verherrliche dich. Mit der Länge der Tage will ich dich ersättigen und dich schauen lassen mein Heil.“
Petrus von Dazien, der, selbst vom Geiste Gottes erfüllt, Christina so wirksam zu trösten verstand, er sollte schon bald aus der irdischen Wanderschaft abberufen werden, um das ewige Heil dort oben zu schauen. Zu Anfang des Jahres 1287 war er aus Gotland nach Bordeaux, jedenfalls zur See, als Gefährte seines Provinzials, zum Generalkapitel gereist. Den Rückweg machte er dann auf demselben Wege bis Antwerpen, reiste dann aber zu Lande bis Löwen, von wo er am 1. Juli an Christina schrieb, daß die Reise langwierig und mühselig sei, und er viele Beschwerden und körperliche Schmerzen erduldet habe, doch die unverdrossene Liebe überwinde alles, und wenn er auch mit dem linken Fuße stark hinke, so hoffe er doch im Herrn, in einer Woche zu Stommeln zu sein. Er erinnert dann noch Christina daran, daß sie ihm Reliquien der Heiligen und Magister Johannes ihm zwei Sexterne über die Wunderwerke Gottes versprochen habe. Ob Petrus wirklich im Jahre 1287 nach Stommeln gekommen ist, wissen wir nicht. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich. Er starb auf Gotland in der Fastenzeit 1288 und Bruder Folkwin meldete am 9. September 1288 die Trauerbotschaft nach Stommeln. Durch Reisen und Geschäfte, so schreibt er, sei er gehindert, öfter zu schreiben. „Jetzt aber zeige ich Euch mit Schmerz und unter Tränen an, daß unser ehrwürdiger Vater, der Bruder Petrus, weiland Prior und Lesemeister unseres Klosters, in der Fastenzeit im Herrn entschlafen ist. Seine Seele empfehle ich inständigst Euern heiligen Gebeten und bitte Euch zugleich, daß Ihr seine Seele den Gebeten der Schwestern, die bei Euch sind, sowie auch dem Gebete der Schwestern in Cöln, die er kannte, angelegentlichst empfehlen wollet.“ Der früher von Christina mehrmals geäußerte Wunsch, dem Bruder Petrus im Tode bald nachzufolgen, ging nicht in Erfüllung. Der Herr ließ sie noch nahezu fünfundzwanzig Jahre hier auf Erden. Jedoch bildet das Jahr 1288 einen Wendepunkt im Leben Christinas. In ihm wurde sie ihres geistigen Vaters und Trösters beraubt; in ihm sollten aber auch die Beunruhigungen und Quälereien seitens der Mächte der Finsternis ein Ende nehmen. In ihm löst sich ja auch die aus der Machtgier der Fürsten und Völker des Niederrheins erwachsene Unsumme von Haß und Eifersucht in der folgenschweren Schlacht von Worringen aus, in der die Heeresmächte sämtlicher Fürsten der niederrheinischen Lande miteinander kämpften. Veranlassung zum Kriege war die Thronfolge im Herzogtum Limburg. Im Jahre 1282 war der Herzog von Limburg ohne männliche Nachkommenschaft gestorben. Graf Reinold von Geldern und Graf Adolf von Berg stritten um die Erbschaft. Letzterer übertrug seine Ansprüche an den Herzog Johann von Brabant, und nun entstand Spannung, Streit und Zwietracht zwischen den Genannten nicht bloß, sondern auch zwischen allen benachbarten Fürsten. Auf Seite des Grafen von Geldern standen der Erzbischof von Cöln, Sigfrid von Westerburg, Graf Heinrich von Luxemburg, Adolf von Nassau, der spätere deutsche König, Dietrich von Cleve, Johann von Limburg an der Lahn, Walram von Falkenburg, Dietrich von Moers und andere Herren. Johann von Brabant hatte zu Verbündeten den Herzog Walram von Jülich, Graf Eberhard von der Mark, Adolf von Berg und andere. Die Erbitterung des Grafen von Jülich gegen den Erzbischof und Kurfürsten von Cöln sowie die Spannung zwischen der Stadt Cöln und dem Erzbischofe spielten mächtig in den Streit hinein. Sechs Jahre lang wurde gegenseitig gerüstet. Der Erzbischof selbst zog mit 14000 Mann auf das Schlachtfeld. Am 5. Juni 1288 kam es bei Worringen zur Schlacht. In der Abteikirche zu Brauweiler hatte Sigfrid vorher einen feierlichen Gottesdienst gehalten und seine Mannschaften durch eine feuerige Ansprache aufgefordert, die von den Gegnern im Erzstifte verübten Greuel zu rächen. Sigfrid und Reinold standen auf den beiden Flügeln, Heinrich von Luxemburg im Zentrum. Ihnen gegenüber standen Adolf von Berg und Arnold von Looz, im Zentrum dagegen Herzog Johann von Brabant. Durch einen geschickten Meisterzug lockte Erzbischof Sigfrid den Feind auf von Wassergräben durchschnittenes Gelände und wäre so beinahe gleich nach Beginn der Schlacht Sieger geworden. Allein durch das Ungeschick seiner ungestüm herandrängenden Bundesgenossen wurde Verwirrung angerichtet; die Lage des Erzbischofs und des Grafen von Geldern verschlechterte sich. Mit großer Tapferkeit wurde beiderseits gekämpft, lange wogte der blutige Kampf unentschieden hin und her, zuletzt neigte sich der Sieg auf die Seite der Brabanter. Elfhundert Leichen deckten die Wahlstatt und von den Verwundeten starben siebenhundert bald nachher. Unter den Gefallenen waren Graf Heinrich von Luxemburg und sein Bruder Walram, desgleichen Heinrich von Westerburg, des Erzbischofs Bruder. Sigfrid selbst wurde gefangen genommen, desgleichen Adolf von Nassau. Auch Reinold von Geldern wurde auf der Flucht eingeholt und mußte sich ergeben. Erzbischof Sigfrid verbrachte die erste Nacht seiner Gefangenschaft in der Kirche zu Monheim und blieb dann ein Jahr lang auf Schloß Burg an der Wupper in strenger Haft des Grafen Adolf von Berg.
Die sechs Jahre anwährenden Kriegsunruhen machten auf Christina, deren Heimat Stommeln, an der Grenze zwischen den Jülicher Landen und dem Cölner Erzstifte, nur zwei Stunden vom Schlachtfelde Worringen entfernt gelegen war, einen tiefen und betrübenden Eindruck. Der Gedanke an die vielen Greuel und Frevel, die der Krieg herbeiführte, und besonders die Befürchtung, es möchte mancher im Kriege umkommen, ohne mit Gott versöhnt zu sein, und in die Hölle fahren, hatte sie bewogen, Gott den Herrn zu bitten, er möge sie leiden lassen, um die einen vor dem Tode zu bewahren und denen, die fallen würden, die Gnade einer seligen Sterbestunde zu erlangen. Der Herr nahm ihr Anerbieten an und schickte ihr anderthalb Jahre hindurch vor der Schlacht ganz besondere Leiden. Den Teufeln wurde gestattet, sie am ganzen Körper mit spitzigen Eisen und Scherben zu zerkratzen und zu schinden, so daß er nur eine Wunde war, und diese Wunden wurden dann noch, um den Schmerz zu erhöhen, mit Salz eingerieben. Bluttriefend, einem Schlachtopfer gleich, dem h. Bartholomäus, den sie von Jugend auf besonders verehrte und der für Christus geschunden wurde, ähnlich, lag Christina auf ihrem Schmerzenslager inmitten des um sie her herrschenden Kriegeslärms und Kampfgetümmels. Trotz der grausamen Folter, die sie an allen Gliedern ihres Leibes quälte, und trotz des großen Blutverlustes nahm sie nur wenig Nahrung zu sich. Während dieser ganzen Zeit von anderthalb Jahren aß sie nichts anderes als etwas Ingwer. Das war ihre ganze Speise.
Durch ihre Leiden und Gebete erlangte sie von Gott die Gnade, daß Graf Adolf von Berg in jener Schlacht dem Tode entging und auch nicht gefangen genommen wurde und die beiden Grafen von Luxemburg nebst sehr vielen andern, die dort umkamen, durch die Barmherzigkeit Gottes vor der Höllenstrafe bewahrt blieben.