Papst Urban VIII. hat nämlich aufs strengste verboten, jemanden als Heiligen zu verehren, der nicht vom Papste heilig gesprochen sei. Dieses Verbot findet jedoch nicht auf diejenigen Diener Gottes Anwendung, die bereits hundert Jahre vor der Verfügung Urbans VIII., nämlich vor dem Jahre 1534, in der Kirche öffentlich als Heilige oder Selige verehrt worden sind. Bezüglich der seligen Christina wurde nun der vollgültige Beweis erbracht, daß ihre Verehrung bereits vor dem Jahre 1534 zu Recht bestand.

Nach langwieriger und sorgfältiger Prüfung hat die Ritenkongregation in ihrer Sitzung vom 11. August 1908 auf Anstehen des Kardinals Hieronymus Gotti das Urteil des Cölner Erzbischofs bestätigt, und am darauffolgenden Tage hat Papst Pius X. die Verehrung der seligen Christina gutgeheißen.

Nach kirchlichem Rechte gebührt ihr nunmehr der Grad der Verehrung, der den förmlich selig gesprochenen Dienern Gottes zusteht.

In der neuen Pfarrkirche zu Stommeln wurde der Seitenaltar auf der Evangelienseite nach ihr benannt und mit ihrem Bilde geschmückt (Abbildung [9]), und am Fuße des Kirchhügels wurde ein stattliches Krankenhaus (Abbildung [10]) erbaut, das am Christinafeste des Jahres 1908 feierlich eingeweiht wurde. Zellitinnen aus der Kupfergasse in Cöln, deren Orden sich aus dem Beginentum entwickelt hat, mithin Mitschwestern der seligen Christina, versehen in ihm den Krankendienst.

Auf Antrag des hochseligen Kardinals und Erzbischofs von Cöln Antonius Fischer wurde durch Dekret der Ritenkongregation vom 18. März 1909 der Name der seligen Christina in das liturgische Kalendarium der Cölner Kirche unter dem 6. November eingetragen, die Feier ihres Festes für den Bereich des Erzbistums Cöln bewilligt und eigene Meßgebete und Lesungen für die Begehung des Festes genehmigt.

Die Meßgebete lauten in der Uebersetzung wie folgt:

Meßgebet.

O Herr Jesus Christus, der Du Deine geliebte Braut Christina mit überaus reichen Gnadengaben ausgestattet und sie gegen alle Nachstellungen des Teufels mit unbesiegbarem Heldenmute ausgerüstet hast, gib gnädig, daß wir durch ihre gütige Vermittelung alle Widerwärtigkeit standhaft überwinden, in Deinem Dienste treu bis zum Tode verharren und so die ewigen Freuden erlangen. Der Du lebst und regierst.

Stillgebet.

Wir bringen, o Herr, das Opfer Deines Leibes und Blutes dar und bitten Dich demütig, daß wir durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau Christina Verzeihung aller Sünden erlangen mögen. Der Du lebst u. s. w.