Im Alter von neun Jahren wurde sie um das Fest Mariä Verkündigung drei Nächte nacheinander im Geiste von einem Engel der allerseligsten Jungfrau Maria vorgestellt und in jeder dieser Nächte sang sie dreimal nacheinander zuerst die Sequenz vom h. Geiste, die zu Pfingsten beim Hochamt gesungen wird:

Veni sancte spiritus,
Et emitte caelitus
Lucis tuae radium,

Komm, o Geist der Heiligkeit,
Aus des Himmels Herrlichkeit
Sende Deines Lichtes Strahl,

und sodann die von der allerseligsten Jungfrau, welche anfängt mit den Worten:

Ave rosa generosa
Salve candens lilium,

Sei gegrüßt Du edle Rose
Gruß Dir Lilie blendendweiß,

und wenn sie diese Gebete beendet, so warf sie sich nieder vor der h. Gottesmutter und sprach folgendes Gebet:

Deprecor vos, mater misericordiae, per amorem dilectissimi filii vestri, ut mihi apud ipsum peccatorum meorum veniam impetretis necnon et amicitiam et favorem eiusdem filii vestri mihi procuretis.

Mutter der Barmherzigkeit, ich bitte Dich bei der herzlichen Minne, die Dein vielgeliebter Sohn zu Dir getragen hat, Du wollest mir bei ihm Verzeihung meiner Sünden erlangen sowie auch die Freundschaft und die Huld dieses Deines Sohnes mir erwirken.

Die h. Gottesmutter aber beantwortete jedesmal dieses Gebet mit den Worten: „Freue dich, teuerste Tochter, und frohlocke; denn du wirst die Braut und Freundin meines vielgeliebten Sohnes sein.“ Seit jener Zeit wußte Christina diese beiden lateinischen Sequenzen auswendig, obschon sie den Psalter noch nicht gelernt hatte, und wurde jedesmal, wenn sie dieselben singen hörte, mit großer Wonne erfüllt.