„Ah so, Du weißt nicht!“ — seine Stimme sank unwillkürlich zu einem Flüstern herab und sein Blick schweifte scheu durch’s Gemach, als fürchte er, daß irgend ein geheimnißvoller Dritter unser Gespräch belauschen könne. „Wir Alle nennen ihn nie anders, als nur den ‚Herrn‘. Die Wenigsten wissen überhaupt seinen Namen. Er ist der oberste Leiter unserer Gesellschaft, wohl die mächtigste Persönlichkeit auf der Erde. Sein Reichthum ist unermeßlich, der Kaiser selbst, im Vergleich mit ihm, ein armer Schlucker.“

„Und was will er also von Dir?“

„Von mir will er eigentlich nichts. Er läßt mir nur mittheilen, daß die Gesellschaft morgen mit dem Schlag 12 Uhr die Production einstellen werde.“

Ich fuhr entsetzt empor.

„Die Production einstellen? Ist der Mensch wahnsinnig?“

„Oh, nein! Der Secretär hat mir Alles auseinandergesetzt. Das Ganze ist nichts, als ein Rechenexempel. Die Production verlohnt sich nicht mehr. Neunzig Procent der Bevölkerung sind Bettler, Vagabunden, wegen deren es nicht mehr der Mühe werth ist, das Geschäft weiter zu führen und der Rest kann, trotz allen Aufwandes, nicht den zehnten Theil von dem verbrauchen, was unsere Maschinen herstellen.“

„Aber dann steht das Chaos vor der Thür, eine entsetzliche Umwälzung!“

„Das weiß der ‚Herr‘ ganz gut, aber es kümmert ihn nicht. Die Gesellschaft hat ihr Schäflein längst in’s Trockene gebracht. Schon seit Jahren hat man, ganz im Geheimen, riesige Capitalien aus dem Geschäftsverkehr gezogen und im Ausland sicher untergebracht. Vor ein paar Wochen hat die Gesellschaft für die Summe von zehn Milliarden der spanischen Regierung die Insel Cuba abgekauft. Die Actionäre haben sich dorthin zurückgezogen und werden unter Palmen ein idyllisches Dasein führen, während hier eine Welt in Trümmer geht!“

Ich war sprachlos; der Kopf schwindelte mir.

„Aber um Gotteswillen“, stieß ich endlich hervor, „giebt es denn kein Mittel, um das abzuwenden, um die Catastrophe zu verhüten?“