„Aber die Catastrophe wird an den Grenzen Deutschlands nicht Halt machen. Ganz Europa wird der Brand erfassen, sobald er einmal ausgebrochen ist und alle Cultur wird in Trümmer gehen.“

„Das kümmert uns nicht. Bis nach Cuba werden die Flammen nicht schlagen und übrigens, je toller es zugeht, desto besser.“

„Wie so? Das verstehe ich nicht.“

„Sie sind ein schlechter Geschäftsmann, mein Lieber, wenn Sie das nicht einsehen,“ meinte der „Herr“ mit jovialem Lächeln. „Nun gut, ich will es Ihnen erklären, weil wir noch etwas Zeit haben, ehe mein Dampfer abfährt. In der bisherigen Weise läßt sich die Production nicht mehr fortführen; wir verdienen nichts mehr dabei und sind keinen Augenblick vor einer Catastrophe sicher. Wir müssen einmal tabula rasa machen mit dem großen Heere überzähliger Menschen, um dann mit frischen Kräften wieder anzufangen. Also stellen wir den Betrieb freiwillig ein, und warten in sicherer Entfernung ab, bis sich die Wogen wieder beruhigt haben. Wenn der richtige Moment gekommen ist, erscheinen wir wieder auf der Bildfläche und man wird uns als Retter der Gesellschaft freudig aufnehmen. Verstehen Sie nun, weshalb es nicht in unserem Interesse liegen kann, den Betrieb in die Hände des Staates übergehen zu lassen? Sollen wir uns selbst das Geschäft für alle Zukunft verderben? Nein, wir wissen recht wohl, daß die Regierung mit ihrem zusammengeschmolzenen Heere, in dem sich ohnehin schon viel unsichere Elemente befinden, der Bewegung nicht Herr werden wird, die sie ganz unvorbereitet trifft. Aber gerade das wollen wir. Es muß Alles zu Grunde gehen, damit wir von Neuem Geschäfte machen können.“

Ich stand wie erstarrt und war keines Wortes fähig. Erst nach längerer Pause vermochte ich mich soweit zu sammeln, um ihn an die unzähligen Menschenleben zu erinnern, die diesem Geschäftskniff zum Opfer fallen würden.

Er zuckte die Achseln und zündete sich eine frische Cigarette an. „Das ist schlimm für die, welche es trifft, aber im Geschäftsleben darf man nicht sentimental sein. Uebrigens ist es immer besser, die Leute büßen ihr Leben schnell ein, als daß sie verhungern.“

Er sah auf die Uhr. Der Zeiger wies auf 20 Minuten nach 11 Uhr.

„Wenn Sie den nächsten Zug nach Berlin erreichen wollen, müssen Sie sich sputen. Auch fährt mein Schiff Punkt 12 Uhr ab und es giebt für mich noch vorher einige Geschäfte zu erledigen.“

Er geleitete mich in verbindlichster Weise bis zur Thür. Meine Mission war zu Ende.

Unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen, suchte ich auf schnellstem Wege den Bahnhof zu erreichen. Als ich die Freitreppe zur Bahnhofshalle emporstieg, erklang die Mittagsstunde von den Thürmen Hamburgs.