Und so sehen wir die gespenstige Erscheinung Ahasver’s überall auftauchen und hindernd dazwischen treten, wo reines Liebesglück emporkeimen möchte. Seine eigene Tochter Siona, die den schönen Fremdling liebt, stößt der ewige Jude von der Klippe in’s Meer und erlöst sie zugleich, denn der Herr hatte ihr auf ihre Bitte gewährt, ewig mit Ahasver leben zu dürfen, bis der eigene Vater zum Tode die Hand gegen die Tochter erheben werde. Aber Helgrimur und Ismelda, die junge Verwandte des Anakletus, vermag auch Ahasver nicht zu trennen. Ein weißer Vogel schwebt über den Häuptern der Liebenden und folgt ihnen auf ihren Wegen. Das war die ewige Liebe, die am jüngsten Tage über das Meer geflogen kam. Anakletus gesteht den Aeltesten der Gemeinde seinen Gottesfrevel ein und wird an’s Kreuz geschlagen.

„Die Kuppel des Domes schwand. Mitten in den fliegenden Wolken, umzuckt vom feurigen Schein der Blitze, hing der Gerichtete. Immer höher und höher strebte das Kreuz empor. Und immer höher wuchs mit ihm der ewige Jude. Zuletzt schienen sie Beide in Lüften zu schweben.

Das Volk lag auf den Knieen und wagte es kaum, emporzuschauen; denn in unendlicher Höhe schwebte der Gekreuzigte. Und der gespenstige Alte hatte sich an’s Kreuz geklammert.

Aus der Höhe aber kam es wie mächtiger Gesang von vielen Tausenden ...

Libera de infernorum

Poenis carnem fragilem,

Infimoque peccatorum

Da aeternam requiem!

Verschwunden war der Dom. Keine Altäre waren mehr zu sehen. Weite, graue Nebelmassen dehnten sich allwärts.

Helgrimur und Ismelda hielten sich umschlungen und standen aufrecht unter der knieenden Menge. Sie waren keines Lautes fähig und keiner Bewegung.