»Du bist ziemlich damit beschäftigt?« fragte ich daher.
»Wie du. Ich sah es an deinem Aufspringen und fühlte es im Drucke deiner Hand vorhin.« Offenbar hatte er mich gründlich mißdeutet … Aber was besagte das? Man brauchte den Irrtum nicht zu berichtigen. Es hätte ihm wehe getan. Aber ganz schweigen konnte ich dennoch nicht. Ich fragte zaghaft, mädchenhaft:
»Wäre aber alles das nicht besser verschwiegen geblieben?«
»Verschwiegen? Das erschütternde Bekenntnis eines solchen Menschen?«
»Ja,« sagte ich einfach. »Mein Lieblingswerk ist mir dadurch ferngerückt und neu, fremd geworden. Ich werde einen Monat brauchen, mich wieder daran zu gewöhnen, daran, und an den Schöpfer auch.« Aber daß ich mich schämte für den Mann, der mir jetzt gelassen und nun gewissermaßen nackt beim Essen im hellen Lichte gegenüber sitzen wollte, das mochte ich nicht sagen.
»Bist du nicht ein bißchen ungerecht, kleine Claudia?« fragte er sogleich in zärtlichem Vorwurf; ich aber, ohne jede Pause: »Du, Walter, bist lasterhaft gerecht –« und ich schloß mutwillig: »Ich behellige auch niemand mit Innenleben – nicht einmal dich.«
Er legte lächelnd seine Hand auf die meine: »Dafür ist er ein Künstler und wir simple Bürgersleute, die bei der Kunst zu Gaste gehn.«
»Um so schlimmer,« gab ich zurück, »so soll er sich mit dem begnügen, was seine Werke gestehn; das ist immer noch genug.«
»Im Grunde fühlst du, glaube ich, was ich hier fühle. Sind wir einig, du?« Ich nahm den Hörer auf und log: »Vielleicht.«