»Wir wissen es, eifersüchtig sind sie alle und hassen das Werk, die Kunst und die Einsamkeit des Schöpfers.« Er weiß nichts, auch nicht Manth, Frau Eggeling sieht still und ahnungslos daran vorbei – und nur ich habe damit fertig zu werden … Aber das ist schließlich eine Art Glück … Eben gibt das Klavier ein a an, ungeduldig, hämmernd, eine Aufforderung und wiederholte Mahnung, Versäumtes nachzuholen: unsere Noten liegen schon weiß aufgeschlagen da, und Claudia stellt gerade mit gereckten Armen die schwere Decke des Flügels auf, wie eine glänzend schwarze Schwinge geformt, zum Fluge in eine sanftere Fremde halb gelüftet und bereit. Sirmisch sitzt schon, auch Claudia, ich beeile mich mit meiner Geige, fühle eine müde Freude, des Nachdenkens enthoben zu sein, und sage halblaut zu Frau Eggeling, indem ich mich niederlasse und die Noten erkenne: »Opus 70, zwei, in d.« »Das Geistertrio?« Sie erhält keine Antwort. Wir setzten alle drei sehr stark ein, zu einem stufenweise stürmenden Anlauf; das Cello hält allein einen sanften Ton lang an und fließt vibrierend in das Thema über, eine kurze stille Melodie, vom Flügel her wellig begleitet; dann kommt sie an mich und ich verliere mich dumpf erlöst und ganz der Sache hingegeben an meine Geigenstimme, die nur Teil einer höheren Einheit ist, mein Ich aufsaugt und mein Denken entrückt, daß es irgendwo hinten schimmert, blaß, klein und unnütz.


Das Album

Man sollte sein Herz nicht an Menschen hängen. Sie gehen fort und man bleibt ganz allein, wenden sich nach kurzem Weh ab und lassen uns hinter sich, im Dunkelkalten … Der Park hatte bald keine Gestalt mehr, Wiesen und Wege vereinte der Schnee zu einer bleichen Fläche, auf die mit Kohle Baumgruppen genau gezeichnet und Strauchreihen hingewischt waren – der endlos fallende Schnee. Auch Kinder hielten nicht stand. Zuerst vermögen sie nicht zu leben, wenn man nicht dicht bei ihnen ist – und eines Tages machen sie sich auf … Und sehr grauenvoll, daß niemand sieht, wie ungeheuerlich dergleichen; daß es allen für natürlich gilt – und man glauben muß, man sei von Sinnen mit seinem Gram. Ein Kind stirbt; nun wohl. Aber eine lebende Tochter verläßt die Mutter um willen eines Fremden … so etwas gab es … jeden Tag …

Eine Tür ist hinter ihr geöffnet und geschlossen worden, eine Person mag eingetreten sein … Man soll sie nicht stören! Man soll ihr vielmehr Ruhe lassen! Aber die Gewohnheit, die den Menschen vertiert, zwingt sie, gegen ihren innersten Willen sich umzusehen. Die Köchin Klara steht da und macht eine unglückliche Figur, weil sie stören muß.

Was die gnädige Frau zum Abendbrot wünsche.

»Liebe Klara, geben Sie was Sie denken.«

»Aber der Doktor Sirmisch sei für heute angesagt …«