»Das ist schön; und wozu eigentlich Angst?« Er setzte sich auf die Sofalehne, legte ihr den Arm um die Schultern und neigte sich herab, sie zu küssen; aber ihre Lippen zitterten kalt unter den seinen, und so sprach er aufgerichtet: »Getrennte Zimmer waren unmöglich; diese Pension hätte dich für mein Verhältnis genommen und so behandelt. Wir müssen uns abfinden. Ich kann recht gut drinnen auf dem Divan übernachten.«

»Das geht doch nicht,« meinte sie unsicher; in sich aber bejahte sie diesen Vorschlag stürmisch: ach ja, bestehe darauf, Liebster, ich bitte dich!

Er drang mit den Fingern behutsam in ihr Haar, blickte ins Zimmer, in das durchschnittlich ausgestattete Wohnzimmer einer eleganten Pension und sagte langsam: »Es ginge wohl.« Aber nach einer Pause: »Und doch nicht, Kind. Es wäre reichlich lächerlich, nicht? Man verbringt nicht diese Nacht fern von seiner Frau; einer Frau, die man immerhin lieb hat … nicht wahr?« Später, dachte sie schweigend und gejagt; später wird es lächerlich sein, heute wäre es ein Glück … und daß er dies spätere heute schon bedachte, war das peinlich? wars wundervoll? und daß sie's gelten ließ?

»Nun also,« fuhr er fort. »Und dann wäre ja morgen und übermorgen dasselbe Problem gestellt und wäre endlich nicht mehr zu umgehen. Nur die Qual wäre verlängert. Ich denke, wir einigen uns so,« schloß er gemütlich, fast heiter: »du legst dich zu Bett wie stets – und dann finde ich mich neben dir und wir reden noch eine Stunde im Dunkeln. Nur reden, sonst nichts. Und so morgen und jede Nacht, bis du dich an deinen Mann gewöhnt hast, und eine andere Stunde schlägt, überraschend, Liebling. Denn was dich verstört, ist einfach das Wissen. Nun?«

Sie sah ihn an und prüfte sein Gesicht:

»Ist dir das ernst?«

»Ja,« sagte er froh. Sie sah an seinen Augen wie er sich freute, daß sie Mut faßte, und ihr Mut war dadurch selbstsicherer.

»Du versprichst, mich einmal zu überfallen?«

»Gewiß. Verzeih, daß ich lache. Aber du hast das mit so rührender Hoffnung gesagt.« Sie lachte mit ihm, froh seiner Sorgfalt, sie möge ihn in diesem Augenblick nicht mißverstehen … Aber sie hatte noch etwas Schweres zu fragen: »Und du glaubst, das … würde gehen, heute?«

»Was? Ach, das? Ich bin erprobt, Liebling. Ich habe schon eine keusche Nacht neben einem Mädchen verbracht. Da haben wir gleich etwas zur Unterhaltung.«