Er lachte in sich hinein und schwieg; dann schloß er: »Du wunderst dich hoffentlich nicht. Erstens ist man diszipliniert, und zweitens machte ich mir nichts aus ihr. Ich hatte sie gern, sonst nichts.«

Er hatte sie in der Tat abgelenkt, aber auf einen gefährlichen Weg: sie empörte sich gegen den vergnügten Ton der Erzählung, gegen die Blindheit, die diese und jene Nacht auf eine Ebene stellte, gegen die ganze Behaglichkeit, die sie an ihm wahrzunehmen glaubte. Sie fand ihn frivol und sich mißhandelt, ja wahrhaft beleidigt und im tiefsten gekränkt … Vielleicht war zwischen ihr und jener doch eine Gleichheit? Vielleicht liebte er sie ebenso wenig – schien es nicht so? Ihre Vernunft war gestorben und alles schien ihr möglich, auch daß sie verschmäht sei.

Er hörte sie atmen (gekränkt, aber das wußte er nicht), hörte die Uhr ticken und den langsamen glücklichen Schlag seines Herzens; dann schwoll die Sehnsucht, mit seinem ganzen Leib ihren Mädchenkörper an sich zu fühlen, durch das Erinnern an jene entfacht, wie ein Blutstrom in ihm hoch; da sagte sie:

»Ach so, du machtest dir nichts aus ihr,« sagte es mit klarem Hohn und versuchte, ihm ihre Hände zu entziehen.

Der Klang traf ihn wie ein Pfeil. Erst begriff er nichts; einen Augenblick tappte er wie ein Geblendeter; dann brach es in ihm auf: Lisbeth Ohlsen! Sie fühlte sich verschmäht, wie irgendeine, wie jedes törichte Mädchen fühlte Claudia sich verschmäht! Er riß sie an den Händen nahe und wollte sich über sie werfen: sie hielt ihn mit steifen Armen von sich, sodaß er über ihr schwebte: »Walter!« schrie sie.

Dann schlug sie die Arme auseinander und wie eine Welle über ihm zusammen, als er auf sie herabfiel. Seine Küsse erstickten ihr im Munde etwas, das ein Stöhnen sein konnte und auch ein jauchzendes und triumphierendes Gelächter: eins, das aus tiefsten Gründen und Dickichten hervorsprang, ein Elf. Es lachte über alle Ängste und alle Schwierigkeit, über Claudia und Walter, über den ganzen Geist und alle Scheidungen und Hemmnisse; es lachte über die ganze Seele.

Ans Fenster stieß der Wind. Er flog von Berg zu Berg unter der schwarzen Brücke des sternfunkelnden gewölbten Himmels und rührte das ebene Wasser des See's zu kleinen Wellen auf. Sie liefen an den Strand mit hellem Klickern, das wie Gezwitscher klang, und schaukelten sacht ein Boot und die Herden stiller Fische, die im schwarzen Wasser standen und schliefen.


Die Passion