Die Sonatine

Das nette rosige Dienstmädchen nahm so geräuschlos es anging, die blonden Brauen hochgezogen und gleichsam auf den Fußspitzen, das Geschirr des Abendessens vom Tisch, auf den von oben breit abspritzend Licht fiel wie Wasser auf einen weißen Stein. Es seufzte von Zeit zu Zeit in seinen sanften Busen, der nach Zärtlichkeit verlangte, und es warf hurtige Blicke zu den beiden auf dem Sofa dort, dringliche Blicke, hinter denen die Lider unschuldig herabfielen. Glücklicherweise – sie atmete wahrhaftig tief ein und ein Lachen sprang über ihr Kindergesicht – ließ der gnädige Herr das Blatt auf den Tisch fallen und sagte böse:

»Diese Zeitungen sind eine häßliche Sache. Man müßte dagegen einschreiten.«

Die gnädige Frau nickte lebhaft: »Abbestellen, Walter … Hast du die Morde gezählt, die heute darin episch verwertet sind?«

»Vier,« sagte er, »vier. Mit dem Mordversuch des besiegten Schülers am Mitschüler fünf. Willst du hören? es ist ungemein knapp zu sagen: ein Schüler ohrfeigt den anderen vor der Klasse, sie prügeln sich und der Geohrfeigte unterliegt: da zieht er ein kleines Terzerol und schießt dem Sieger die Kugel auf zwei Schritte in die Seite.« »Genug, ich bitte dich!« … und nach einem Schweigen leise: »Furchtbar …« und sie zuckte sonderbar mit den Schultern.

»Daß man daraus eine Spalte macht, ist wirklich arg. Aber abbestellen? Und welche dafür halten?«

»Gar keine halten. Wozu überhaupt Zeitung?«

»Und das Leben da draußen? Wie willst du davon unterrichtet sein?«

»Ach, das Leben,« sagte sie geringschätzig. »Ich vergaß, daß du es damit hast. Ich meinerseits, du weißt, bin ohne dieses Bedürfnis« …