»Ich verstehe das.« Er streifte schweigend die Asche von der Zigarre und fuhr dann fort, schneller, weil der Schluß wie ein Abgrund das Fließen der Erzählung beschleunigte, gleichsam einsog, und indem er auf ihre Hände sah, die ruhig nebeneinander auf dem Tische lagen:
»Ich schlief schlecht diese Nacht. Am Morgen stand ich um sechs Uhr auf, am Ruhetag, am Sonntag, und ich pflegte mich sonst auch Wochentags nicht vor zehn zu erheben, ich hielt mich zur Erholung in Freiburg auf. Ich stand also um sechs auf und begab mich auf den Güterbahnhof. Natürlich traf ich keinen Menschen dort, nicht eine Seele. Ich wiederholte diese vergeblichen Spaziergänge um zehn, um halb zwölf und um vier, alle Male mit demselben Erfolge. Ich dachte nicht mehr, ich war vielmehr von der Idee besessen, das Meinige wiederzuhaben.«
Er schwieg wieder und betrachtete seine Zigarre, die zu Ende ging. Ihr Blick ruhte nachdenklich und ein ganz klein wenig spöttisch auf ihm: eigentlich macht er davon viel Aufhebens.
»Nun?« fragte sie endlich. Er schrak zusammen:
»Ich bin gleich fertig,« sagte er und sah von ihrem Gesicht wieder auf den Teppich. »Montag nach neun ging mein Zug. Montag um halb sieben stand ich im Büro der Güterabfertigung. Natürlich sah ich, sowie ich eintrat, mein Paket. Es lag ordnungsgemäß da, der Mann hatte es abgeliefert, redlich, es war fertig zum Abschicken.« Er schwieg ohne aufzusehen.
»Nun ist ja alles gut,« meinte sie geringschätzig, denn sie fühlte, daß er auf ein Wort wartete. Er stützte den Kopf in die Hand und blickte auf den Tisch:
»Was denken Sie also, das ich getan habe?«
»Sie haben sich entschuldigt und sind vergnügt zur Bahn gegangen«, entgegnete sie ohne Zaudern.
»So. Ja. Nein, ich nahm das Paket an mich, sagte, es habe Eile und trug es zur Post.«
Claudia lehnte sich langsam wie erstarrt in ihren Sessel zurück: