Am vierten Tage beschäftigte sich Vid mit dem Verhalten des Hauptmannes gegenüber dem ins Ohr geflüsterten Geheimnis. Der Pope fragte sich, warum der Offizier sich krümmte und so schrecklich lachte, daß ihm das Wasser aus den Augen schoß? Die „Beförderung“ des Kutschers zum Popen mochte in fremden Augen ungewöhnlich erscheinen; Vid erblickte in ihr nichts anderes als die Tilgung einer Dankesschuld. Verjagt der Oberst den Popen vom Pfarrposten, so wird der Archimandrit entweder für eine andere Stelle sorgen oder den rückständigen Kutschersold bezahlen müssen….
Weshalb aber lachte der Offizier so unbändig? Ist er vielleicht ein Feind des Regimentskommandanten? Will er ihm mit der Aufdeckung des Geheimnisses, daß Vid früher — Kutscher gewesen, einen besonderen Streich spielen? Darüber Näheres und Sicheres zu erfahren, bestand keine Möglichkeit. Doch eines erriet Vid gefühlsgemäß: eine Hauptrolle werde und müsse seine Tätigkeit als — Rosselenker spielen. Dieses „Gefühl“ lenkte auf den Gedanken, die Gunst des Regimentskommandanten neuerdings, und zwar durch — Pferde zu gewinnen. Der arme schlechtbezahlte Dorfpope besaß jedoch keine Pferde, konnte solche nicht kaufen. Ein schönes wertvolles Roß schon gar nicht. Und ein — Pope konnte ein Prachtroß auch nicht — „verschaffen“. Nur darüber — reden könnte er mit einem Besitzer oder mit einem Sachverständigen in der Pferdebeurteilung.
Eigentümer schöner Pferde gab es im Dorfe nicht, wohl aber im nächsten größeren Orte. Sachverständige im Heimatsdorfe genug. Gleich der nächste Nachbar des Pfarrhauses, der Mirko, stand im Rufe eines Pferdekenners, der freilich viel schwätzte; doch erzählte die Fama von ihm, daß er — nachts auf geheimnisvollen Gängen sehr schweigsam, stumm wie das Grab, sei.
Nicht über die beunruhigende Sache betreffend die drohende Absetzung,
nur über — Pferde wollte der Pope mit Mirko sprechen. Bei nächster
Gelegenheit fragte also Vid, wie doch eigentlich die kavalleristische
Episode im „Provinzial“ bei der Landwehr gewesen sei.
Augenblicklich und sichtlich gern schnappte Mirko darauf ein und erzählte, daß eine berittene Abteilung des Befehls zur Beendigung der Übung und Versorgung der Pferde harrte. Der Kommandant rief den Landwehrreitern den Befehl zu: „S konja dol!“ (Wörtlich: Vom Pferde zu Tal; herunter, also absitzen!) Einer der Reiter jedoch, der im Sprachgebrauch feinfühliger als der bürgerliche Kommandant und deshalb sprachempfindlich war, fragte mit schallender Stimme: „Kai pa mi, koji smo na kobili?“ (Wörtlich: Was aber wir, welche wir sind auf — Stuten? Übersetzt: Was aber sollen wir machen, die wir auf — Stuten sitzen?)
Obwohl Vid den Scherz dieser drolligen Wortklauberei kannte, lachte er doch herzhaft und ließ sich die Pointe von Mirko erklären! Im Kroatischen heißt koni soviel wie männliches Pferd. Der Kommandant hatte also befohlen. „Vom männlichen Pferd herunter!“ Deshalb fragte jener Reiter, was die Leute machen sollten, die auf kobili, nämlich auf weiblichen Pferden, saßen.
Kutscherhaft bebrüllte Vid diesen Scherz und Spott auf zivile Soldatenspielerei im „Provinzial“. Und diese freundliche Aufnahme des Scherzes machte den Nachbar zugänglich für das — Weitere. Der Pope teilte vertraulich mit, daß er beim Regimentskommandanten in Karlstadt eine — Gehaltsaufbesserung anstrebe, gute Aussicht hätte, solange der Oberst K. Regimentschef sei, weil dieser hohe Herr den untertänigen Diener Vid zum Popen ernannt habe; aber eine große Schwierigkeit sei einstweilen vorhanden: es fehle dem armen schlechtbezahlten Popen an einem Gegenstand zur — „Verehrung“.
Mirko begriff sofort und fragte, „mit was“ der Pope — „schmieren“ möchte.
„Mit einem schönen, einem Regimentsobersten würdigen Roß!“
Augenzwinkernd fragte Mirko, ob Stute oder Wallach.