Vid „himmelte“ und versicherte, daß er weder das eine noch das andere bezahlen könne, auf — „leihweise“ Überlassung angewiesen sein würde, den Zeitpunkt der „Rückgabe“ des betreffenden Pferdes nicht genau angeben könne, weil der kluge Mittelsmann noch nicht gefunden sei, der zu „passender Zeit“ das „gewidmete“ Pferd wieder bei guter Gelegenheit von Karlstadt „zurückhole“.

Auch diese dunklen Worte verstand der freundliche Nachbar sofort. Und alsbald entwickelte Mirko einen seinen Plan, wonach in der Nacht zum nächsten Feiertage aus dem größeren Nachbarorte zwei schöne Pferde behufs Auswahl „leihweise“ geholt werden sollen. Diese Aufgabe wolle Mirko aus Freundschaft übernehmen. Sache des Popen aber werde es sein müssen, für die sichere Unterbringung der „entlehnten“ Pferde zu sorgen, falls sich die — Gendarmen für den — Aufenthaltsort dieser Pferde am Feiertage interessieren werden. Finden dürfen die Gendarmen diese Pferde nicht, weil sie oder das ausgewählte Roß sonst dem Regimentskommandanten nicht „verehrt“ werden könnten. Für die spätere „Heimholung“ des „Schmier“pferdes müsse der Pope einen Vertrauensmann in Karlstadt ausfindig machen; Mirko könne diese Aufgabe mangels genauer Ortskenntnis am Sitze des Regimentskommandos nicht übernehmen.

Der Plan gefiel dem Popen sehr gut.

Aber die Zustimmung freute sich Mirko. Doch machte er als vorsichtiger
Mann von Erfahrung auf nächtlichen Gängen auf die Gefahr des —
Schneefalles aufmerksam. Spurschnee werde haargenau den Aufenthalt der
Pferde verraten, sowohl den Gendarmen als auch neugierigen Dörflern. Im
Augenblinzeln Mirkos lag die Frage, ob der Pope ein Mittel zur
Spurenverwischung wisse.

Einstweilen wußte Vid nichts, doch das Sprüchlein sagte er salbungsvoll auf. „Hat der Mann ein Amt, bekommt er auch den — Verstand dazu!“

Mirko betonte nochmals, daß die „Leih“pferde in der Nacht bzw. gegen
Morgen des nächsten Feiertages in Dorfnähe gebracht werden, und daß der
Pope alsbald für sichere Unterbringung der Pferde wie für Vernichtung
ihrer Spuren im Schnee aufkommen müsse.

Im Pfarrhause wurde das Übereinkommen mit Slibowitz begossen, mit
Handschlag bekräftigt. —

In der Lika trat Schneefall ein. Weit mehr Geflock, als dem Popen lieb war. Je näher der Feiertag heranrückte, desto mehr Bangen fühlte der Pope in der Kutscherbrust. Das Spiel war doch arg gewagt. Wurde es infolge eines Zufalls verloren, der „Krach“ in Karlstadt würde entsetzlich werden, die Entlassung aus dem Pfarrdienst im Vergleich zur Explosion im Regimentskommando ein harmloses Kinderspiel sein…. Doch rückgängig machen konnte Vid die so pfiffig begonnene Sache nicht mehr. Wollte er eigentlich auch nicht. Er wünschte Pope zu bleiben; wenn möglich allerdings auf einer — besseren Pfarre.

Während der Nacht zum orthodoxen Feiertage blieb Vid in den Kleidern; verschmähte jede Ruhe, lauerte auf jedes Geräusch. Um Mitternacht endete der Schneefall; Sterne erschienen am Firmament und flimmerten. Der Warmwind blies von der Adria herein.

Noch um drei Uhr morgens hatte Vid keine Ahnung davon, wo er die — Pferde sicher vor Gendarmenaugen unterbringen könnte. Unmöglich in der Scheune des Pfarrhauses wegen Platzmangels. Ebenso unmöglich bei Mirko, der nicht in Verdacht gebracht werden durfte. Es war Aufopferung genug, daß der Nachbar die Pferde „holte“….