Auch die Zeitfrage beschäftigte den Popen noch gegen Morgen. Wird es wahrscheinlich sein, daß noch in der Nacht die — Gendarmen den Abgang der Pferde merken, den „Entführer“ sofort verfolgen werden?

Vid verneinte diese Frage. Ohne vorausgegangene Meldung werden die Gendarmen sich nicht auf die Socken machen. Erfolgt die Anzeige am frühen Morgen, brechen die Organe der öffentlichen Sicherheit sogleich zur Verfolgung der Spuren im Neuschnee auf, so können die Panduren im Dorfe ankommen etwa um die Zeit, da der Pope die Bauern aus der Kirche entlassen wird.

Ein Gedanke schoß dem „Pfarrer“ durch den Schädel. Eine gute Idee, die vollen Erfolg gewährleisten könnte, wenn Mirko mit den Pferden rechtzeitig eintreffen würde. Aber Mirko kam nicht. Auch keine Meldung, ob das Unternehmen begonnen wurde.

Nichts, gar nichts.

Die Zeit rückte vor. Schon riefen die Glocken. Die Gläubigen wanderten zur Kirche.

Der Pope mußte sich beeilen. Während des Ganges zur Kirche brannte in seiner Kutscherseele der heiße Wunsch, daß das Unternehmen gar nicht begonnen worden sein möge. Denn jetzt würde alles zu spät und verloren sein….

In der Kirche war das Volk andächtig, der Pope zerstreut, nicht bei der Sache. Vids Gedanken beschäftigten sich mit — Pferden; er glaubte plötzlich Hufgeklapper vernommen zu haben. Horchte auf, gelangte zur Überzeugung, sich nicht getäuscht zu haben und verkündete der Gemeinde, daß zur besonderen Festesfreude nun um die Kirche ein — „Kolo“, ein Rundreigen, unter seiner Führung stattfinden werde.

Kolo, das Nationalvergnügen der Südslaven, ein immer willkommener Reigen für jung und alt, wobei Männer wie Frauen erstaunlich viel Anmut in den Körperbewegungen zu entfalten wissen.

Es verschlug nichts, daß jede Art von Begleitmusik fehlte, der Kolo — im
Schnee stattfinden mußte.

Der Pope führte die vielköpfige Schar der Kirchgänger Hand in Hand im langgedehnten Zuge erst um die Kirche und dann in weitgestrecktem Bogen auf einen freien Platz über die Landstraße. Wohl über vierhundert Füße zertraten den Schnee, vernichteten alle Spuren….