Vid's scharfe Augen gewahrten zwei Gendarmen in Dienstausrüstung. Die Wächter der öffentlichen Ordnung und Sicherheit betrachteten langsam schreitend gewisse Eindrücke im Schnee, gingen auf das Dorf zu.
Ein Nationallied anstimmend, führte Vid seine Schar zurück zur Kirche, um die nun singend der Kolo langsam, würdevoll und anmutig getanzt, d. h. ruhig Hand in Hand geschritten wurde.
Den Gendarmen war die Erfüllung ihrer Dienstpflicht unmöglich gemacht; die verfolgten Eindrücke im Spurschnee waren völlig zertreten von den Kolotänzern. Für den Reigen selbst hatten die Panduren nicht das geringste Interesse. Sie wanderten an der Kirche vorüber, schritten aufmerksam guckend durch das Dorf und kehrten unverrichteter Dinge zurück in den größeren Ort.
Inzwischen hatte ein Schneesturm eingesetzt, der in wenigen Minuten die ganze Gegend verwehte, den heimkehrenden Gendarmen den Marsch erschwerte, den Kolotänzern das Feiertagsvergnügen nahm. Schreiend flüchtete alles in die Häuser und Hütten.
Schneesturm in der Lika. Der tosende Wind aus Südwest, nicht schneidend kalt, eher warm, dennoch durchschauernd, trieb den Schnee in schweren Schwaden vor sich her, suchte den Häusern und Hütten die Dächer wegzureißen und warf dann Schneemengen darauf, die alles zudeckten. Schrilles Saufen in der oberen Luftregion, herunter dumpfes Surren in den Dolinen, gurgelndes Heulen an Hängen und Flächen. Tolles Gewirbel auf der Landstraße, die teils haushoch verweht wurde, auf kurze Striche wie glattrasiert aussah, je nachdem der Sturm sie angreifen, der Bodenwind kesseln und wegfegen konnte, was der Orkan an Schneemassen hingeworfen hatte.
Wie ausgestorben die Gegend, kein Lebewesen außer Hausen ein verdorbener
Feiertag für den Gostioničar, den Wirt, dem die Gäste fehlten.
Nur der Pope hatte einen Gast im Hause, den pfiffigen Mirko, der sich krumm lachte über den von Vid so schlau und prächtig veranstalteten Kolo, wodurch den Gendarmen die Pflichterfüllung vereitelt, die Pferde gerettet wurden. Daß die „entlehnten“ Rosse nicht länger in der — Sakristei verbleiben konnten, sah Mirko völlig ein. Aber mit der Angelegenheit wollte er weiter nichts mehr zu tun haben. Bisher war alles Gefälligkeitssache aus nachbarlicher Freundschaft zum Popen; nun aber Schluß. Kein Schritt weiter, kein Fingen rühren.
Vid hingegen sprach seine Meinung dahin aus, daß bei solchem Schneesturm das Verbringen auch nur eines Pferdes nach Karlstadt wenn nicht unmöglich, so lebensgefährlich sein würde.
Mirko hob die Schultern und schluckte Slibowitz dazu. Und mählich wurde er — anzüglich; er stichelte, daß das Wetter gar nicht besser sein könnte für einen „ungesehenen“ Pferdetransport, wenn der — kočijaš (Kutscher) „tüchtig“ sei. Es klang wie Hohn, als Mirko herausquetschte: „Danas je vrlo liepo vrieme, samo je jako snieg!“ (Heute ist sehr schönes Wetter, nur ist starker — Schnee!) Und nach einem neuen kräftigen Schluck Pflaumenschnapfes fügte er bei: „Danas su naši oni konji!“ (Heute sind unser jene Pferde!)
Zum Abend war die Lage geklärt. Mirko verweigerte bis auf die
Pferdefütterung jede weitere Hilfe; die „Leih“rosse mußte Vid in eigener
Person entweder nach Karlstadt oder in ihre — Heimat bringen. Noch in
dieser Nacht trotz des schweren Schneesturmes.