Mirko leistete den letzten Gefälligkeitsdienst und fütterte die Pferde in der Sakristei. Das „Wassern“ (Tränken) besorgte der Pope. Dann verschwand der Nachbar.
Ein letztes Sinnen und Überlegen seitens des „Pfarrers“. Diesmal in der
Richtung nach der vom Regimentskommando auf — Pferdediebstahl verhängten
Strafe. Vid verspürte einen sehr starken Kitzel am — Hals. Und dieses
Gefühl verstärkte sich, als der Pope zu Pferde saß.
Im Freien, vom Schneesturm umtost, von nachtschwarzer Finsternis umhüllt, drängten die „Leih“rosse der Richtung zu, die in ihre Heimat führte. Der Versuch Vids, die Gäule mit Schenkeldruck auf die Straße nach Karlstadt zu bringen, mißlang vollständig.
Als die Pferde ihrer Heimat zuliefen, spürte Vid deutlich, daß das fatale Gefühl an seinem Halse nachließ. Doch der Gedanke an die noch immer drohenden einhundert Stockprügel für den Fall des Erwischtwerdens auf der Heimbringung der „entlehnten“ Gäule verursachte ein gewisses Brennen am — Gesäß.
Auch in der Seele brannte etwas plötzlich sehr heftig, die Frage, wem wohl die „entlehnten“ Pferde gehören?
Vid hatte davon keine Ahnung.
Aber die Rosse werden und müssen ihren Stall kennen; sie werden ihn auch ohne jede Begleitung finden. So dachte Vid. Und er rutschte vom Gaul herunter.
Wie zum Dank gingen die Pferde im Galopp weg, der ersehnten Heimat zu durch Nacht und Schneesturm.
Hart und mühsam war der Heimmarsch für den Popen. Dennoch sozusagen schön. Von bitterer Angst befreit die Seele, wie weggefegt das bängliche Gefühl am Halse, das ahnungsvolle Brennen am Gesäß. Und erquickend das Bewußtsein, daß die Mitwisserschaft Mirkos nicht gefährlich werden kann, weil die von ihm, nicht vom Popen, gestohlenen Pferde nicht behalten wurden.
Mit „reinem Gewissen“, freilich körperlich sehr ermüdet, erreichte Vid sein Pfarrhaus.