Der Kommandant Oberst X. lehnte entrüstet die Beigabe des forstlichen
Sachverständigen ab und sandte den Mann sofort zurück.
Ein Hauptmann erhielt den Befehl, mit zweihundert Mann im näher bezeichneten Reviere die Aufforstung durch Setzen von Eicheln durchzuführen „in eigener Kompetenz, mit möglichster Strammheit und militärischer Präzision“. Aber die Frist für die Arbeitsdurchführung war nichts gesagt. Daß der Forsttechniker vom Kommandanten abgelehnt und zurückgeschickt worden war, hatte der Hauptmann „unter der Hand“ erfahren und sich als kluger Mann hinter die Ohren geschrieben.
Von forstlicher Kulturarbeit hatte der Hauptmann selbstverständlich
keine Ahnung. Aber das wußte er, daß er für die Eichelsetzarbeit den
Forsttechniker — nicht befragen durfte, wenn ein „Krach“ mit dem
Regimentskommandanten vermieden werden sollte.
Soviel Verstand besaß der Hauptmann, um sich denken zu können, daß ein gewisser Abstand zwischen den zu setzenden Saateicheln werde eingehalten werden müssen. Diesen Abstand konnte der Offizier begreiflicherweise nur militärisch berechnen; deshalb bestimmte der Hauptmann. „Distanz ein Schritt“. Von einem Hand-in-Hand-arbeiten zwischen Militär und Forstbehörde keine Spur.
Das „Setzdetachement“ rückte an, als das Forstamt noch gar keine
Saateicheln hatte. Das Material wurde schleunigst beschafft.
Unterdessen, zur Zeitausfüllung, ließ der Hauptmann die zur Aufforstung
bestimmte Kulturfläche von Unkraut usw. befreien, roden und vorbereiten.
Endlich kamen die Eicheln.
Der Hauptmann ließ seine Mannschaft antreten und hielt „Instruktionsstunde“. Die Soldaten wurden belehrt, wie sie die Saateicheln zu setzen haben. Entfernung von Mann zu Mann drei Fuß; auf das erste Signal fährt die rechte Hand in die Schürze und ergreift eine Eichel; auf das zweite Signal bückt sich die gesamte Mannschaft und steckt die Eicheln in den Boden; auf das dritte Signal richtet sich die Mannschaft auf und tritt einen großen Schritt nach vorwärts. Und so weiter, bis die ganze Fläche mit Eicheln besteckt ist.
Da für diese originelle Kulturarbeit wohl Saateicheln vorhanden waren, nicht aber Bundschürzen zum Tragen der Eicheln, und da der Hauptmann recht gut wußte, daß er wegen der fehlenden Schürzen den in seiner Allmacht gefährlichen Regimentskommandanten nicht behelligen durfte, befahl der militärische „Forstmann“ ganz einfach, daß jeder Soldat morgen beim Antreten eine — Bundschürze mitzubringen habe. Gleichgültig, ob die Schürze der Gattin, der Schwester oder der Geliebten gehöre. Die Bundschürze mußte, so lautete der Befehl, „verschafft“ werden.
Damit war die Instruktionsstunde beendet, die Mannschaft entlassen.
Am nächsten Morgen pünktlich trat die „Kultur“-Mannschaft an. Einen sehr
bunten Anblick boten die Soldaten mit den umgebundenen farbigen
Schürzen. Die Vorliebe der südslavischen Weiber für grelle Farben in
Kitteln und Schürzen war damals genau so vorhanden wie auch heute noch.