Anfang der siebziger Jahre war in Kroatien unter dem Namen „Kroatische Glanzkohlen“ eine Kohlengewerkschaft gegründet worden in der Absicht, die Kohlenklötze von Lepoglava-Očura abzubauen. Das vielen Erfolg versprechende Unternehmen konnte jedoch nicht sofort gewinnbringend gestaltet werden, weil es an Gelegenheit zur Abfuhr der Kohlen mangelte. Es fehlte an jeder Eisenbahnverbindung; die Achsenfracht nach Varazdin-Csakaturn kam viel zu teuer und beanspruchte zuviel Zeit; ebenso mißlich war es, die Grubenausbeute über die kroatische Grenze auf steierischen Boden zum Anschluß an die österreichische Südbahnstrecke nach Friedau-Pragerhof zu bringen.
Die Gesellschaft beschloß deshalb die Erbauung einer Lokalbahn von Očura nach der Südbahnstation Friedau (Steiermark) erwarb die Zustimmung der Behörden und ließ behufs Aussteckung der „Trasse“ Ingenieure kommen, die ihre Kanzlei im Kohlenest Očura errichteten.
Die nicht geringen Schwierigkeiten, wegen der Bauerlaubnis usw. die kroatischen und steierischen Behörden unter einen Hut zu bringen, waren ein Kinderspiel im Vergleich zu den Hindernden, die der Erbauung der Eisenbahn in Očura selbst erwuchsen durch den eigenen Verwalter der Grube Očura.
Der Bergverwalter Bodlak, aus dem Lande stammend, wo „die Erdäpfel als Spalierobst gezogen“ werden, war nämlich grenzenlos — neugierig und obendrein ein Mensch nach Goetheschen Rezepten im „Zauberlehrling“ und im „Faust“. Eine „Spottfigur von Dreck und Feuer“ und obendrauf ein „Wassertopf“.
Ein Männle klein, untersetzt, mit säbelförmigen Beinen und einem wahrhaft riesigen Kopf, bildete Bodlak den Schrecken von Očura und Umgebung, in der Grubenverwaltung wie in der Gesellschaft, bei den Behörden in der Amtsstadt Varazdin usw. Der Bergverwalter mit seiner entsetzlichen Neugier war nicht mehr loszubringen, wenn er sich irgendwo eingefunden und in eine Sache verbissen hatte. Für den geplanten Bahnbau von Očura nach Friedau interessierte sich das Männle begreiflicherweise aus dienstlichen Gründen, dann privatim, und überdies wünschte er, mit seinen Spargroschen Aktionär der neuen Bahn zu werden.
Zecken und Wanzen waren wonneerzeugende Geschöpfe im Vergleich zu Herrn
Bodlak, der mit seiner alle Grenzen übersteigenden Neugier und
Zudringlichkeit die Ingenieure in der Arbeit behinderte, mit
unermüdlichen Belästigungen in Verzweiflung brachte.
Höfliche Bitten und Mahnungen blieben unbeachtet. Auch auf deutliche
Winke hin stellte Verwalter Bodlak seine lästigen Besuche und qualvollen
Fragen nicht ein.
Am meisten fühlte sich der Oberingenieur A. aus Brüssel in der
Kanzleiarbeit gehemmt; er ärgerte sich grenzenlos, und in wachsender Wut
beschloß er, den — Glanzkohlenmenschen auf den — Glanz herzurichten,
Rache zu nehmen, auf daß ganz Kroatien sich vor Lachen krümmen werde.
Der Racheschwur war leicht gesprochen; die Durchführung einer Rachetat hatte aber ihre Schwierigkeiten. Das spürte der Oberingenieur schon, als er über die Vorbereitungen zu einer „Tat“ nachsann.
Eines Tages kam der schreckliche Bergverwalter wieder und quälte besonders den Oberingenieur mit Fragen nach — Neuigkeiten. Bodlak sah eine französische Zeitung auf dem Arbeitstische liegen und wollte wissen, ob so ein französisches Blatt „bessere“ Neuigkeiten berichte als die „inländischen“ Zeitungen.