Unwirsch meinte der Oberingenieur, daß „viel Gescheites“ auch in dem
Brüsseler Blatte nicht zu finden sei; es wäre denn die unter Vorbehalt
gegebene Meldung, daß der König Leopold von Belgien die kroatischen
Kohlengruben zu — kaufen beabsichtige.
Nun war der Teufel los! Und Bodlak war verwandelt in einen Menschen, der sich vor Freude nicht mehr zu fassen wußte, und der nicht genug — fragen konnte.
Der jubelnde Bergverwalter berichtete sofort den Zeitungen in Agram und Budapest die — erfundene Nachricht als sichere Kunde, erzählte allen Grubenbeamten von Očura davon und frohlockte, daß der belgische König in seiner „bekannten Noblesse“ aller Geldnot bei den kroatischen Kohlenmenschen durch Gehaltsaufbesserungen ein wohltätig Ende machen werde.
Die Nachricht erregte nicht geringes Aufsehen und wurde namentlich in der Gegend von Varazdin geglaubt, weil sie vom Bergverwalter Bodlak von der Grube Očura ausging.
Die Grubenbesitzer freilich wunderten sich, daß Bodlak mehr als sie selbst wußte.
Die Bahnbauingenieure hingegen hatten viel Spaß an der wachsenden Aufregung in Beamtenkreisen, aber schwere Mühe, die maßlos gesteigerte Nachfrage Bodlaks nach Einzelheiten bezüglich der Umwandlung der Grubenverwaltung in eine „königliche belgische Bergwerksdirektion“ zu befriedigen. Im besonderen wollte Bodlak wissen, ob König Leopold ihn übernehmen und zum Direktor ernennen werde.
In dieser Frage erblickte der fürchterlich überlaufene Oberingenieur die
Möglichkeit und günstige Gelegenheit, an Bodlak für alle Belästigung
Rache zu nehmen.
Günstig war auch der Umstand, daß der Postbote von Lepoglava den Posteinlauf für die Ingenieurkanzlei und für die Grubenverwaltung in einer gemeinschaftlichen Posttasche brachte und der Bequemlichkeit wegen die Posttasche zuerst bei den Bahnbauherren zur Entnahme des Einlaufes einlieferte. Dann erst trug der Mann die Tasche drei Kilometer weiter zur Bergverwaltung bei Očura.
So entstand denn nach längerer Beratung in der Ingenieurkanzlei ein Gemisch von amtlichem Dekret und privatem Schreibebrief an Herrn Bodlak. Selbstverständlich in französischer Sprache, in die der deutsch aufgesetzte Brief mühsam genug hineingepreßt wurde. Über den drolligen Text dieses köstlichen Schriftstückes heulten die Ingenieure immer wieder bei jeder Lesung.
Aber das „Dekret“ mußte ein „Amtssiegel“ haben.