Mit Eselsmühe wurde aus einem Alphabet von kleinen Gummibuchstaben in kleinem Rundrahmen ein „königlich belgisches Staatssiegel“ hergestellt: „Léopold Roi des Belges Propriétaire aux mine en Croatie“.
Schön anzusehen war dieses „Siegel“ nicht, auf den ersten Blick als „handgreifliche“ und alberne Fälschung erkennbar.
Der Oberingenieur hatte denn auch schwere Bedenken; er wurde jedoch übernimmt von den Kollegen, die ihre Köpfe darauf wetteten, daß Bodlak in seiner Glückseligkeit diesen Schwindel nicht merken werde.
Also wurde dem Gemisch von „Dekret“ und Privatbrief „Leopolds von
Belgien“ dieses „Siegel“ beigedruckt, das Schriftstück in einen
Briefumschlag gesteckt, der Brief geschlossen, mit gebrauchten
belgischen Briefmarken beklebt und eines Tages in die vom Lepoglavaner
Postboten gebrachte Tasche gesteckt. Ahnungslos trug der Posterer den
Einlauf zur Grubenverwaltung nach Očura.
Eine Stunde später stand Bodlak aufgeregt in der Ingenieurkanzlei und bat flehentlich um — Übersetzung des Briefes, den er soeben vom — „König der Belgier“ erhalten habe.
Die Ingenieure verbissen das Lachen, kämpften heldenhaft gegen den übermächtigen Lachkitzel. Der Oberingenieur sah sich in der Zerplatzungsgefahr; übersetzen konnte er den Brief nicht, nur Herrn Bodlak zur Ernennung zum „Bergrat“ gratulieren mit wenigen Worten; dann mußte der „Ober“ die Kanzlei fluchtartig verlassen. Die Kollegen hatten sich besser in der Gewalt; sie beglückwünschten Herrn Bodlak zur Auszeichnung, gaben der Hoffnung Ausdruck, daß weitere „Gnaden erweise“ des belgischen Königs und „Besitzers“ der kroatischen Glanzkohlengruben sich auch auf die Ingenieure des Bahnbaues, so Kroatien mit — Belgien verbinden werde, ergießen mögen.
Nach allen Regeln der Ulkkunst foppten die Herren den glückstrahlenden „Bergrat“ und erwiesen ihm faustdicke „Ehrfurcht“, so daß Bodlak auf den verwegenen Gedanken kam, die ihm zuteil gewordene „Auszeichnung“ der Grubenverwaltungszentrale in Wien zu — telegraphieren. Daraufhin verflüchtigten sich zwei der Ingenieure unter Vorschützung heftiger Hustenanfälle.
Der jüngste Kanzleiinsasse blieb tapfer, riet von jeder Telegraphiererei ab; denn es müsse vor der offiziellen Verbreitung der „Glücksnachricht“ die landesherrliche Genehmigung zur Führung des ausländischen Titels durch die Vizegespanschaft in Varazdin erwirkt worden sein. Deshalb werde der Herr „Bergrat“ gut tun, das Dekret persönlich dem Obersekretär der Vizegespanschaft zu überbringen, der das Weitere dann schon veranlagen werde.
„Prozim (bitte), wie lange wird es dauern, bis die Genehmigung erteilt wird?“ fragte schluckend vor Erregung Herr Bodlak.
Der Ingenieurbenjamin zog die Schultern hoch und sprach: „Acht Monate, vielleicht ein Jahr; vielleicht wird die Zustimmung überhaupt nicht erteilt!“