Ob dieses seltsamen Empfanges höchlich erstaunt, fragte Günter den alten
Waldhüter Kuster, wie denn ein Forstbeamter dazu komme, mit —
Glockengeläute begrüßt zu werden. Glockenklang gebühre doch dem
einziehenden Bischof oder Archimandriten.
Kuster schüttelte das graue Haupt. „O, Gospodin! Der Archimandrit kommt nie nach Samarica, ein Herr von der Gespanschaft in fünfzig Jahren einmal, ein Forstbeamter sehr selten! Also ist die Ankunft Euer Hochwohlgeboren ein großes Fest, das gebührend gefeiert werden muß! Gott segne Ihren Einzug in Samarica und in meine hochbeglückte Hütte!“
In Günter stieg etwas wie eine Ahnung auf, daß die Schilderungen der
Kollegen vielleicht doch nicht so arg — übertrieben sein könnten.
Der Kommissär mußte im Hause des Oberwaldhüters wohnen; die Unterkunft war nicht schlecht. Als Atzung in der Stube zu ebener Erde, wo Günter, von Kuster bedient, allein speisen mußte, gab es gebratenen Buran (Puter) in einem wahrhaft riesigen Exemplar, bei dessen Anblick der Kommissär die Hände zusammenschlug und dann dem Hausherrn Vorwürfe wegen solcher Auslagen machte.
Kuster verneigte sich ehrerbietig und beteuerte, auf „seine Rechnung“ schon zu kommen. Der Buran aber sei unbedingt nötig; erstens, damit der gnädige Herr unter allen Umständen satt werde; zweitens, weil der Buran morgen ein — Bošpor[9] sein müsse.
Auf eine nähere Schilderung ließ sich der Hauswirt nicht ein, widmete vielmehr alle seine Aufmerksamkeit den Vorbereitungen zum Bilikum. Salz, Brot und ein ganzer Schlüsselbund lagen bereits auf einer Kupferplatte; dann wurde ein Glaspokal gefüllt, der mindestens eine — Kaisermaß (etwa anderthalb Liter) fassen mochte. Während des Essens schielte der Kommissär in wachsender Angst nach diesem „Becherchen“, das nach südslavischem Brauch vom Gaste auf einen Zug bis zum letzten Tropfen geleert werden mußte.
Nach Beendigung dieser Vorbereitungen zum Bilikum stellte sich der Alte wieder demütig hinter den Stuhl des Gastes, bat um das Zugreifen, reichte auch die Schüsseln wieder, bot Dunstobst und Salat an, der im dunkelgrünen Öl der Sonnblumenkerne schwamm. „Wollen Euer Gnaden sich geneigtest versorgen! Wir haben nur diesen Buran und sonst nichts für die Nacht! Der Waldhüter ist nicht der Bischof von Djakovar!“
Zur Ablenkung suchte Günter ein forstliches Gespräch in Gang zu bringen. Auch war ihm lästig, daß der Alte stets demütig hinter dem Stuhle stand und Lakaiendienst versah.
„Bitte gehorsamst! Zu Dienstgesprächen geben die nächsten drei Wochen auf der Gorievica reichlich Gelegenheit! Heut' ist Festtag für meine Hütte!“
„Was? Drei Wochen?“ Den Forstkommissär hatte der Schrecken herumgerissen. „Drei Wochen Walddienst ohne Unterkunft? Darauf bin ich nicht vorbereitet! Für Biwakieren nicht im geringsten ausgerüstet! Irren Sie sich denn nicht, Kuster?“