„Ja!“

„Bei wem?“

„Beim ‚jüdischen Herrgott‘!“

Kleinlaut sprach Kommissär Günter. „Gehen wir!“ Nie im Leben hatte er sich bisher so wehrlos und in den Händen fremder Leute gefühlt als jetzt. Und bruchstückweise kamen die von den alten Forstbeamten erteilten Ratschläge und Wahrnehmungen in fatale Erinnerung, so daß Günter auf dem nächtlichen Marsche wegen Verpflegung usw. auch noch kleinmütig wurde. Schon aus Gründen der Autorität wollte er nicht weiter fragen. Ärgerlich genug war es, daß die Fragen so locker auf der vertrockneten Zunge saßen und gewaltsam hinuntergewürgt werden mußten.

Endlich, eine Stunde vor Mitternacht, wurde das verwahrloste Walddorf
Jesenaš erreicht. Die Totenruhe unterbrochen von Hundegebell.

Die Waldhüter klopften den „jüdischen Herrgott“ mit einer Selbstverständlichkeit aus dem Schlafe, die den Kommissär aufs höchste verblüffte. Und einer der Förster machte dem erschreckten Dorfkrämer in kaum verständlichem Deutsch klar, daß sofort für acht Personen Pfannenschnitzel mit Erdäpfel, große Portionen, zubereitet, Nachtquartier beschafft, für den gnädigen Herrn Forstkommissär ein eigenes Zimmer mit frischüberzogenem Bett und ohne Wanzen hergerichtet werden müssen. Augenblicklich aber Wein, Käse und Brot. „Brzo, brzo, napried!“ (Schnell, schnell, vorwärts!)

Erst in kroatisch-serbischer, dann in deutscher Sprache sicherte der ältliche Dorfkrämer sofortige Erfüllung der Befehle mit höflicher Dienstwilligkeit zu. Weckte Hilfskräfte, machte Licht in der Zechstube hinter dem Kaufladen, öffnete die Haustüre und hieß den gnädigen Herrn Forstkommissär mit untertäniger Ansprache willkommen im freilich unvorbereiteten Hause, weshalb um Nachsicht gebeten wurde. Alles gesprochen nun mit der Ruhe der Selbstverständlichkeit, gepaart mit Hochschätzung des Gastes.

Kaum waren in der Zechstube die Gäste mit Wein und Brot nebst Käse versorgt, verschwand der „Herrgott“.

Verhältnismäßig sauber gehalten die „Stube“, der Wein nicht schwer, doch überraschend gut. Kommissär Günter staunte über den Empfang, besonders über die Gelassenheit des Krämers und Wirtes.

Oberwaldhüter Kuster hatte allen Ärger verwunden und gab nun Auskunft, daß der „Jude von Jesenaš“ an Einquartierung von Forstleuten gewöhnt, sein Haus auf Meilen in der Runde die einzig mögliche Unterkunft sei. „Der größte Gauner von Kroatien, aber ein anständiger Mensch!“ Die Förster sowie die Waldhüter stimmten bei.