Fußnoten:

[9] Im Kroatischen hat das Wort „Bošpor“ die Bedeutung „übriggebliebener Buran“; im Slowenischen heißt das gleiche Wort soviel wie Knoblauchrübe. Mit solchen Rübchen gedämpft, mit Essig gesäuert und gedünstet, gilt in Kroatien auch heute noch der „übriggebliebene Buran“ als Morgenspeise, die nach feuchtfröhlicher schwerer Nachtsitzung den „Kater“ und alles „Haarweh“ totsicher vertreibt. Von der Rübensorte ging der Name auf den Buran über. D.V.

[10] Jesam = ich bin, vunbačitelj = Hinauswerfer! — Hauptsächlich im Zagorje (Westprovinz von Kroatien) besteht der Brauch, daß drei Personen als Stolaren fungieren, besonders bei Gastmählern zur Brautschau: der Tischdirektor, sein Vertreter und der — Hinauswerfer…. Zur Ehrung eines Gastes müssen die drei Stolaren anwesend sein, doch wird der vunbačitelj in seiner „amtlichen“ Eigenschaft nicht — vorgestellt. D.V.

[11] Likova in der Bedeutung: vorläufige Abrechnung, Anzahlung; das slavische Wort bedeutet auch: Ausgleichung, offizielle Bilanz über gegenseitige Dienstleistung auf Grund eines Vertrages. Der tüchtigste Slavist der Gegenwart, Oberstleutnant Žunkovič, verweist auf das deutsche Wort „Leihkauf“, das ein mißverstandener Begriff und aus dem slavischen Worte entstanden ist. Tatsächlich hat „Leihkauf“, „etwas zum Leihen kaufen“, keinen Sinn.

[12] österreichische Währung bis 1885. In diesem Jahre wurde die neue Kronenwährung (zwei Kronen gleich dem alten Gulden) eingeführt und in ganz Österreich und Ungarn längere Zeit hindurch — nicht beachtet….

Feuerstein und Schwefelfaden

In folge des Schönbrunner Friedens vom 14. Oktober 1809 war der westliche Teil von Kroatien („Illyrisch-Kroatien“) französisch geworden. Vier Jahre hindurch mußten die an ganz andere Verhältnisse gewöhnten „okkupierten“ Kroaten die französische Herrschaft und Verwaltungskunst ertragen; sie durften wohl seufzen, die Faust aber nur im Sack machen. Es gab jedoch auch Lichtseiten, indem in manche Dinge von den Franzosen Ordnung gebracht wurde, die Besatzungstruppen sich im großen und ganzen anständig benahmen. Für die Heiterkeit der Kroaten sorgte die französische — Duellwut, die den Kroaten etwas ganz Neues und Urkomisches war und Orgien feiern konnte, da der kroatische Wein gut, spottbillig und zur Aufstachelung der Zweikampfslust nachtsüber sehr geeignet war. Weniger komisch wurde die vom Marschall Marmont auferlegte und sehr tatkräftig eingehobene Zwangsanleihe befunden. Solchen Aderlaß bekam der kroatische Adel empfindlich zu spüren, weshalb just in Gutsbesitzerkreisen die früher üblich gewesene Liebäugelei in das Gegenteil umschlug, als man die verhimmelten Franzosen als Herren im Lande hatte.

Neu war den Kroaten auch der Zwang, vor der kirchlichen Trauung die staatliche Zivilehe auf dem französischen Standesamte zu schließen. Den farbenfreudigen Südslaven gefiel die Trikolore Frankreichs als Amtsschärpe der Bürgermeister, da selbe die Farben Kroatiens, freilich in anderer Zusammenstellung, aufwies. Der Klerus, der französischen Herrschaft durchaus abgeneigt, unterließ wohl aus Gründen der Klugheit den Widerstand gegen die aufgenötigte Zivilehe. Es war überhaupt nichts zu wollen, gegen die Zwingwirtschaft nicht aufzukommen; bis auf ganz kleine Kreise, die mehr oder weniger notgedrungen den Verkehr mit Militär und Beamtenschaft unterhielten, blieben Adel und Geistlichkeit abseits, fügten sich knirschend ins Unvermeidliche, erfuhren von Reibungen nicht viel, da es dazumal keine Zeitungen im Lande gab, der Postverkehr sehr dürftig eingerichtet war, das Briefschreiben nicht zu den Gepflogenheiten des kroatischen Adels gehörte.

So wußte man in „Illyrisch-Kroatien“ kein Wort von der Völkerschlacht bei Leipzig, nichts von sonstigen Ereignissen.

Eines Tages früh morgens war in Französisch-Kroatien kein französischer Soldat mehr zu sehen: alles in nächtlicher Stille plötzlich abgezogen. Darob großes Erstaunen, Verwunderung. Bevor das Volk aber die Nachricht vom Abzug der „Okkupations“truppen erfuhr, und ehe der Adel sich darüber richtig freuen konnte, wurde amtlich verkündet, daß Kroatien nunmehr unter der „väterlichen“ Regierung Österreichs stehe.