Beim türkisch angelegten Städtchen Slujn prahlt die lichtblaue Korana erstmals mit ihrer Schönheit in überraschenden Wasserfällen.

Nach Süden steigert sich die öde der Lika zur Schaurigkeit, überall steile Höhen, tiefe Schluchten, freiliegendes Gestein, in den Dolinen wenig Ackerboden, geringwertige Weideplätze. Winzige Dörfer, deren trostlose Häuschen tief im Boden stecken, mit Stroh oder Dünger gedeckt sind. So eine „Wohnstätte“ enthält einen einzigen Raum, den die Familie, Ziegen, Schweine, Hühner und etliche Gänse „bewohnen“. Der Winter soll in der Lika sehr streng und lang (6-7 Monate) sein und enorme Schneefälle bringen. Die Lika umfaßt 6212 Quadratkilometer, hat eine Bevölkerung von rund 192000 Seelen und besaß (1890) im Städtle Gospic eine einzige Apotheke für die ganze Provinz!

Stundenlang währte die Fahrt durch dieses melancholische Karstgelände.
Dann endlich erklomm das ratternde Auto eine letzte Anhöhe, bekrönt von
einer steinernen Kanzel hart an der schmalen Straße. Ein auffallendes
Bauwerk in weltentlegener, schauriger Einsamkeit, das eine
Zweckerforschung geradezu erzwingt.

Ein Blick in die Tiefe, ein Ruf höchster Überraschung!

In einer wohl hundert Meter tiefen Erosionsschlucht entwickelt die hier smaragdgrüne Korana die zaubervollste Romantik: viele weißschäumende Kaskaden, blaue Bassins, graugrüne Seen, entzückend geformte Terrassen inmitten wuchtig starrender Sturzfelsen. Wahrhaftige Wasserwunder, märchenschöne Gebilde, erzeugt von einem einzigen Wildbach. Die Pforte zu einem Paradiese auf südkroatischem Boden!

In drängender Sehnsucht nun weiter mit der Höchstgeschwindigkeit des
Kraftwagens, hinein in die Märchenwelt von Plitvice.

Ein blauschimmernder See, umrahmt von herrlich prangenden Wäldern, die
Üppigkeit einer Tropenwelt; hochstämmige Buchen mit mächtigsten Kronen,
dichtbemantelte Edeltannen, Ahorn massenhaft mit großartigem Wuchs.
Nicht minder häufig die Eibe, doch nur als Gestrüpp. Ein ungeheurer
Naturpark, überwältigende Waldeinsamkeit bei einem unglaublichen
Wasserreichtum. Der untere (Kozjak-) See schillert in seltsamen
Farbentönen, bald tiefblau, dann smaragdgrün, gelb und grau.

Auf grüner Anhöhe thront das vom Agramer Komitee zur Erschließung der
Plitvicer Wasserpracht erbaute Hotel.

Auf die Länge von acht Kilometern sind hier zusammengedrängt 13 (!) Seen und 30 (!) entzückende Wasserfälle bei einem Höhenunterschiede von rund 200 Metern. Wasserwunder der bescheidenen blauen Korana, der Tochter des Kapelagebirges, die nach dem Verlassen des Plitvicer Märchengebietes alsbald im Karstboden versinkt, später wieder zutage tritt, als unscheinbares Flüßchen nach Norden eilt und sich bei Karlstadt mit der schiffbaren Kulpa vereinigt.

Jeder der dreizehn Seen von Plitvice (kroatisch und russisch plit =
Felsplatte) zeigt sich anders hinsichtlich der Konfiguration und
Wasserfarbe; das Farbenspiel ist von der Temperatur abhängig, unter
fünfzehn Grad Celsius erscheinen alle Seen grau!