Mit donnernden Zurufen wurde Herr — Busić gewählt.

Der Obergespan beherrschte sich völlig, nichts deutete an, daß mit dieser Wahl ihm ein Wunsch erfüllt worden war, die Wähler abermals „reingefallen“ waren.

Nach erfolgter Protokollierung wurde das Wahlgeschäft geschlossen; die „Komödie“ war — aus. Langsam leerte sich der Saal. Und schier jeder Čegetekianer guckte noch einmal nach dem Gewaltigen am Präsidialtische, hoffend, ein Lächeln oder eine Geste des Triumphes erspähen zu können. Doch Herr von Zdenčaj wahrte die undurchdringliche Gelassenheit und eiserne vornehme Ruhe, bis er sich in seinem Arbeitszimmer und ohne Beobachter befand. Dann erst schmunzelte er vergnügt.

Nach Jahren äußerte er sich zum jungen Herrn von Tkalac, der ihn wegen dieser „Wahlhandlung“, die in Kroatien viel besprochen und belacht worden war, befragte, mit dem Behagen einer angenehmen Erinnerung. „Es kommt bei solchen Gelegenheiten nur auf Willenskraft und Kaltblütigkeit des Obergespans an; wer diese nicht besitzt, wird bei der ‚Restauration‘ immer geschlagen werden. Das Geschrei von hundert Eseln ist nicht soviel wert wie die einzige Stimme eines verständigen und ehrlichen Menschen.“

Ob nach Umfluß von drei Jahren jener Herr von Lentulaj nochmals ohne
Ochsen und ohne Wein
zum ersten Vizegespan gewählt wurde, ist nicht
festzustellen, da gegenwärtig jede Verbindung mit dem Agramer
Komitatsarchiv unmöglich erscheint.

Die tausendjährige Linde.

Kräftiger und süßer denn je dufteten die Blüten der riesigen uralten, vielleicht tausendjährigen Linde nächst der Kirche von Krašič (Kraschidsch), einem Winzerdorfe an der östlichen Abdachung des Uskokengebirges in Kroatien. Den Slaven war und ist die Linde ein geheiligter Baum, das Wahrzeichen alter Rechte, für Freud und Leid, die Beratungsstelle zum Austrag von wichtigen Gemeindeangelegenheiten, von Streitigkeiten unter den Bauern wie mit der Grundherrschaft. Sommerliche Festlichkeiten, Tanzvergnügungen usw. wurden stets unter der Linde, pod lipom, veranstaltet. Noch in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde jede Dorflinde für unverletzlich gehalten, selbst ein abgestandener Baum niemals gefällt; Sagen und Märchen, viel Aberglauben umrankten die Linde, der man keinen Ast abbrechen durfte, weil jede Beschädigung als Verbrechen ähnlich der Kirchenschändung erachtet wurde. Der Stamm der Riesenlinde von Krašič hatte einen Umfang von mehr als zwei Klaftern; der Baum stand in voller Herrlichkeit und blühte im Juli 1838 so wonnig, kräftig und süß, wie sich die Dorfbewohner und auch der alte Pfarrer nicht erinnern konnten. Es galt in Krašič für sicher, daß dieser außergewöhnlich starke Blütenduft der Dorflinde etwas bedeuten müsse; doch konnte niemand, auch der weißhaarige Župnik (Pfarrer) nicht, sagen, was die Ursache sei, und was der Duft ankündigen wolle, der über die Gemarkung des Dorfes hinausdrang und, zeitweilig vom Luftzug verweht, sogar in den Weinbergen der Novakovičgora noch wahrzunehmen war.

Diese Linde überragte alle Dächer, schirmte sozusagen das Kirchenschiff und den Widum (Pfarrhaus) und glich gewissermaßen den Schwingen einer Gluckhenne, unter denen die Kücken Schutz finden.

Stolz waren die Krašićer auf ihre Riesenlinde so hoch und breit. Wegen des überstarken Blütenduftes im Juli schüttelte aber der Župnik wie der Starešina den Kopf. Der Älteste (Dorfvorsteher) Zaka (Zacharias) glaubte, daß der fast betäubende Duft ein großes Unglück ankündigen werde, war aber außerstande, zu sagen, was als ein besonderes Unglück anzusehen wäre. In seligem Frieden mit der gräflichen Grundherrschaft lebten die Dörfler allerdings nicht; der Haß galt nicht der gräflichen Familie, sondern den Gutsbeamten, die sich mit dem Neuntel von Getreide und Heu, mit dem Zehntel von der Weinfechsung nicht begnügten, regelmäßig die Hälfte forderten, aber nicht immer erhielten.

Bisher hatten die Krašićer beim Domanialgericht Klage geführt, immer wieder Beschwerde eingelegt, aber nichts zu ihren Gunsten erreichen können. Der Richter stand auf Seite der Gutsherrschaft; die Beamten wollten nicht locker lassen und hatten dafür ihre Sondergründe.