Das Wetter schlug um. Auf die südlich-heißen Erntetage folgten windgepeitschte Regengüsse, die den Boden Kroatiens in Morast verwandelten, den Verkehr unterbanden. Auf Seitenstraßen und Dorfwegen konnten Ochsenfuhrwerke kaum durchkommen.

Die Bauern des abseits gelegenen Dorfes Krašić frohlockten in der
Meinung, daß das Neuntel ihnen verbleiben werde, einmal weil der
„Lindenschwur“ bekannt geworden sei und die Herrschaft eingeschüchtert
habe, und dann, daß den Blutsaugern die — Rache verregnet sei.

Verregnet war allerdings auch der Erntetanz unter der Linde; er sollte stattfinden am nächsten sonnigen Sonntag.

Der Warmwind flog über das Land und trocknete rasch auf. Schon am zweiten Tage darauf staubte die gute Straße von Karlstadt nach Ogulin wieder. Und die Sonne brannte hernieder.

In Krašić war es rasch trocken, die Linde hatte sich alle Tropfen vom
Laub geschüttelt; köstlicher Erdgeruch überall, wonniger Duft in den
Rebgeländen.

Im Dorf erscholl heftiges Peitschengeknall. Herrschaftliche Gutsbeamte waren mit Leiterwagen gekommen, wollten das Neuntel von den Bauern einheimsen und wegfahren. Eine rücksichtsvolle Neuerung: man holte das Neuntel, ersparte den Zinspflichtigen die Bringung zum weit entfernten gräflichen Schlosse. Dagegen hieß es: Rasch heraus mit dem Getreideneuntel! Alsbald gab es Lärm in Haus und Scheune des Starešina, dessen Enkel ausliefen wie bei Feuersnot und Einsturzgefahr.

Und sogleich wimmerten die Kirchglocken, riefen um Hilfe gegen Bedrücker und Nötiger.

Gemäß dem „Schwur unter der Linde“ rückten die Bauern aus mit Beilen, Sensen, Schaufeln und sonstigem Werkzeug, das zum Schlagen gebraucht werden kann. In regellosen Haufen setzten sich die Krašićer zur Wehr, griffen an.

Der Starešina Zaka wollte freilich nur die Verjagung der habgierigen Gutsbeamten und ihrer Helfer; aber einmal im Angriff wurde in den Bauern die Kampflust der Südslaven, mit ihr die Wut gegen die Peiniger und Blutsauger lebendig. Und da gab es kein Halten mehr. Halbtot wurden die Handlanger geschlagen, und nur der gräfliche Upravnik (Verwalter) konnte sich unverletzt retten, weil der Dorfvorsteher sich schützend vor ihn gestellt hatte.

Mit dieser Hilfeleistung erreichte der Starešina aber nur die —
beschleunigte Benachrichtigung der Gutsherrschaft von dem Krawall in
Krašić und deren Verlangen von militärischem Schutz bei der
Komitatsbehörde.