Geheuer war dem Vorsteher nicht, als er die übel zugerichteten
Gutsknechte erblickte, denen die Bauern und das Weibsvolk nicht den
geringsten Beistand leisten wollten. Sogar das Verbinden der halbtot
Geschlagenen wurde verweigert. Der Haß war zügellos geworden. Nur mit
Mühe konnte der alte Zaka seine eigenen Angehörigen dazu bewegen, die
Verletzten notdürftig zu verbinden und auf einem Leiterwagen bis in die
Nähe des gräflichen Schlosses zu fahren, wo die Knechte wie gebundene
Kälber abgeladen wurden. Worauf die Starešina-Leute sofort Reißaus
nahmen und im Galopp davonrasselten.

Zaka selbst wanderte nach Karlstadt, wo er den Sachverhalt vorbringen, um „gut Wetter“ bitten wollte. Was er von den Schreibern zu hören bekam, lautete bereits übel genug; bis zum Vizegespan gelangte der Starešina überhaupt nicht. Und im Gerichtsgebäude äußerten etliche Juratuši (Auskultatoren, Rechtspraktikanten), daß wegen der Schandtat in Krašić das Standrecht verkündet, jeder dritte Mann werde gehängt werden. Und wenn der Starešina nicht schleunigst verschwinde, werden ihm als dem „Oberhetzer“ fünfzig Stockprügel auf Grund der „alten Rechte“ verabreicht werden.

Stehenden Fußes verließ Zaka die Kreisstadt und und lief heim, so rasch es den steifen alten Beinen noch möglich war. Er eilte auch noch in das Dorf Jaska, das an der Straße von Agram nach Karlstadt lag, und wo der Vizestuhlrichter Žaba (Frosch) seinen Amtssitz hatte. Diesen Gerichtsbeamten wollte der Starešina um Rat und Fürsprache bitten. Aber der Herr war nicht zu Hause. Dem alten Vorsteher entschlüpfte die Äußerung, daß der Richter nie zu Hause sei, wenn man ihn zu Rat und Hilfe benötige. Wegen dieser Bemerkung wollte der Gerichtsdiener dem alten Zaka ein viertelhundert „amtliche“ Stockprügel „aufmessen“.

Verängstigt und erbittert tat der Starešina im Heimatdorfe das Dümmste, so er tun konnte: er rief die Bauern unter die Linde und erzählte ihnen seine Erlebnisse in Karlstadt und Jaska.

Die Folge dieser aufreizenden Mitteilung war, daß die Krater Bauern nicht nur alle Schlagwerkzeuge, sondern auch Schußwaffen hervorholten, sich zum Empfang von Panduren (Gerichtsdienern) und Gendarmen bereithielten, nicht mehr abwehren, sondern in entfesselter Mordlust alle Personen totschlagen wollten, die aus der Kreisstadt und von Jaska kommen würden.

Zu spät merkte der Starešina, was er angerichtet hatte, und daß sich dieser Sturm nicht mehr beschwören ließ. An die Möglichkeit, daß der Gutsherrschaft Militär zum Schutz gegeben werden könnte, dachte er überhaupt nicht.

Groß war deshalb die Überraschung, als am dritten Tage nach dem Krawall eine verstärkte Kompagnie Soldaten mit Offizieren und mit einem Hauptmann zu Pferd an der Spitze in Krašić einrückte. Reden konnte der Vorsteher nicht mehr, nur mitlaufen, als die zum erbitterten Kampf entschlossenen, mit allerlei Mordwaffen ausgerüsteten Bauern zur Linde sprangen.

„Unter der Linde“ hielten sich die Bauern gesichert, vor dem ersten Angriff der Militärmacht gefeit. Mochten auch glauben, daß die Soldaten das Schießen nicht wagen würden, solange man im Bannkreis der „heiligen“ Linde stehe. „Pod lipom“ fand der Starešina auch die Sprache wieder, die für einen Vorsteher nötige Intelligenz freilich nicht, denn er richtete an den Kapetan (Hauptmann) die naive Frage, was das Erscheinen so vieler, nicht zu Gast geladener Soldaten in Krašić zu — bedeuten habe.

Der Hauptmann verstand nicht Kroatisch und ließ durch den Profosen fragen, was der Starešina mitteilen wolle.

Für sein Patriarchenalter war Zaka ein arger Hitzkopf, oder es hatte ihn der höhnische Ton, das spöttische Lachen des Profosen außer Fassung gebracht; der Vorsteher rief erregt, daß das kleine Dorf so viele Soldaten nicht beherrbergen könne, dazu keine Lust habe; die Bauern von Krašić aber wollen weiter nichts als ihre vom Kaiser-König gegebenen Rechte. Zum Schluß krähte der alte Zaka die Forderung, daß die Soldaten sofort abzumarschieren hätten!