Über den Knäuel verkämpfter, blutender und sterbender Bauern und
Soldaten hinweg feuerte das dritte Glied auf die anstürmenden, rasenden
Krašićer abermals eine Salve, die breite Lücken riß und zur Flucht
zwang.

Auf die springenden Bauern schossen die ausschwärmenden Soldaten nun wie auf Hasen im Kesseltreiben, rasch, „lustig“ und erfolgreich. Etwa zwei Dutzend Krašićer fielen bei dieser „Jagd“.

An der Linde lagen etwa fünfzehn Bauern, darunter mit zerschmettertem Schädel der Starešina Zaka und an zehn Infanteristen, teils tot, teils sterbend.

Vom Geknatter der Schüsse aufgeschreckt, rannten die Weiber aus den Häusern und zur Linde. Heulend die einen, kreischend und fauchend die anderen; etliche so wütend, daß sie einzeln stehende Soldaten angriffen, die Mühe hatten, die rabiaten Weiber abzuwehren.

Hornsignale riefen die Kompagnie zum „Sammeln“ Der Platz um die Dorflinde wurde im langsamen Vorschreiten gesäubert, das Weibervolk gegen die Häuser zurückgedrängt. Der Profos verkündete auf kroatisch, daß erschossen werde, wer vom Zivil ein Haus betrete oder verlasse. Einquartierung dazu. Jedes Haus wurde militärisch besetzt. Das konnte erzwungen werden. Der Weiber in den Häusern vermochten die Soldaten aber nicht Herr zu werden. Die Zungen waren nicht zu bändigen, die Tränen der Witwen nicht zu stillen.

Wortkampf und Fluchen in jeder Hütte.

Und als sich die Kunde wie Flugfeuer verbreitete, daß der Vizestuhlrichter von Jaska zu Wagen angekommen sei, konnten die Soldaten die wütenden Weiber nicht in den Häusern halten. Reden und abrechnen wollten die Weiber mit diesem Behördenmanne, der ihrer Meinung nach seine Pflicht gröblich verletzte, weil er nicht zu Hause war.

In flatternden Röcken, mit aufgelöstem Haar, kreischend und fluchend stürmten die Weiber zum Lindenplatz, wo sich der Vizestuhlrichter mit zwei Offizieren um den übel zugerichteten Hauptmann bemühte. Sein Unterbeamter, ein junger Juratuš, suchte im Knäuel der Bauern und Soldaten nach, wer noch am Leben war.

Der Vizestuhlrichter, ein angejahrter, erfahrener Mann, war dienstlich in Karlstadt festgehalten gewesen, konnte nicht rechtzeitig in Krašić erscheinen. Mit der Volksseele vertraut, insbesondere ein Kenner der Südslavin wußte er, daß, wie die Bosnierin, auch die Kroatin im Zorn ihren Kindern, so diese ungehorsam sich erwiesen, die Schmerzen der Geburtswehen vorhält in der Meinung, dadurch die ahnungslosen Kinder hart zu strafen. Auf Grund solcher psychologischer Kenntnisse war Herr Žaba auf „kräftige“ Vorwürfe seitens der Krašićer Weiber wegen seines verspäteten Erscheinens gefaßt. Den Hagelsturm von Verwünschungen und Flüchen, wie er in wilder Wut und fanatischer Kraft niederbrauste und -prasselte, konnte der Richter aber doch nicht ahnen. Ein Wortgeschmetter gräßlichster Art von tobsüchtigen Weibern, die gewillt waren, den schuldlosen Gerichtsbeamten in Fetzen zu zerreißen, und nur von herbeigeeilten Soldaten von Mord und Totschlag abgehalten werden konnten.

Alle Seelenkunde ließ Žaba im Stich; solchem Verfluchen war er, selbst ein Südslave und dem Einfluß eigenartiger Erziehung und absonderlicher Verhältnisse unterworfen, nicht gewachsen; sein Denken wurde verwirrt, die Seele in Angst vor Verdammung versetzt dadurch, daß schwangere Weiber, deren Gatten erschlagen und erschossen auf dem Dorfplatze lagen, dem Richter die Verantwortung an dem furchtbaren Unglück aufluden, ihn vor den Richterstuhl Gottes forderten und seine Sterbestunde verfluchten. Sinnverwirrt, an vermeintliche Schuld nun selbst glaubend, wiewohl schuldlos, klagte er sich vor den tobenden Weibern der Nachlässigkeit und leichtsinnigen Verspätung an; besinnungslos rannte er von einer Leiche zur anderen, bat jeden Toten um Verzeihung und heulte, da er keine Antwort bekam.