Die Offiziere, von den Weibern maßlos beschimpft, machten der Szene ein Ende, führten den sinnverwirrten Richter von dem Lindenplatz weg und redeten ihm zu, Vorkehrungen für die — Beerdigung zu treffen. Dadurch gerieten die Gedanken auf den greisen — Pfarrer, den kein Auge erblickt hatte.
Von der Domestika erfuhr man, daß der hochwürdige Pfarrer tags vorher nach Agram gefahren war und für den Abend in Krašić erwartet wurde.
Der zappelige Richter verfügte die Verbringung der Leichen in die —
Kirche und sandte Boten nach Jaska, die — Särge beschaffen sollten.
Diese Anordnung beruhigte in etwas die Weiber, die auf Zureden älterer
Männer auch in die Häuser zurückkehrten und für die Soldaten kochten.
Nicht aus christlicher Barmherzigkeit, sondern im Bestreben,
Plünderungen zu verhindern. Dann eilten die Witwen in die Kirche zu
ihren Toten….
Der verwundeten Soldaten wegen kam ein Militärarzt, der sich auch der verletzten Bauern nach Möglichkeit annahm.
Daß der Schreiner in Jaska Särge in großer Anzahl weder vorrätig hatte noch sofort beschaffen konnte, war vorauszusehen; der sinnverwirrte Richter erwartete jedoch das Unmögliche, brachte mit seinem Geschrei neue Aufregung in das Dorf.
Nicht ein einziger Sarg wurde gebracht. Die Boten kamen nicht wieder.
Spät am Abend kehrte von Agram der greise Pfarrer zurück. Die
Schreckenskunde raubte dem ehrwürdigen Seelsorger die Sprache.
Erschüttert vergoß er Tränen bittersten Leides. Unter der Linde von
Greisen, Weibern und Kindern umringt, suchte er Trost zu spenden, die
Leute zu beruhigen, von Rachegedanken abzulenken. Freilich schreie das
vergossene Blut gen Himmel, doch die Rache liege bei Gott….
Betend verbrachte der Pfarrer mit den Witwen die schwüle Nacht bei den
Toten in der Kirche. Am Morgen konnte er noch die Trauermesse lesen.
Dann aber machte der Verwesungsgeruch der Leichen den Aufenthalt in der
Kirche unmöglich. Schnelle Beerdigung war geboten. Särge hatte man
nicht.
Verschwunden der Richter, die Offiziere. Aus benachbarten Dörfern kamen Bauern in Scharen. Von der Gutsherrschaft ließ sich niemand blicken. Unschlüssig warn die Soldaten bezüglich ihres Verhaltens; der Befehl lautete, niemanden aus den Häusern zu lassen; doch die Leute wollten zur Beerdigung gehen, die persönliche Freiheit erzwingen. Die Gefahr eines neuen Krawalls stieg bedrohlich auf. Da ließen die Soldaten alle Leute frei. Auf Anordnung des Pfarrers wurden die Todesopfer auf Brettern auf den Friedhof getragen und in ein gemeinsames Riesengrab gelegt. Was arbeitsfähig war, mußte mithelfen, auch die Gaffer aus den Nachbardörfern.
Am Riesengrab der siebenundzwanzig Leichen sprach der greise Pfarrer nicht viel, aber eindringlich von der Strafe Gottes für jene, welche die Verantwortung zu tragen haben.