Glühend brannte die Sonne Kroatiens hernieder; der Verwesungsgeruch drängte zur Eile. In aller Hast mußte das große Grab zugeschüttet werden.
Mit der Mahnung zum Frieden, zur Rückkehr in die Häuser, zu Gebet und Arbeit entließ der Pfarrer das tieferschütterte Volk. Und wie betäubt und gebrochen wankte er dem kleinen Widum zu….
Während der heißen Nachmittagstunden schien das Dorf ausgestorben zu sein. Niemand zu sehen, auch die Soldeska nicht, kein Offizier; verschwunden die Gaffer aus den umliegenden Dörfern. Tot die Stätte des Jammers, leer der Platz um die tausendjährige Linde von Krašić.
Gegen Abend Wagengerassel, Lärm und Befehlsrufe: der Oberstuhlrichter von Karlstadt war mit Gerichtsbeamten und etlichen Juratuši gekommen, wollte „ptotokollieren“. Der stellvertretende Starešina mußte erst die Offiziere herbeirufen, dann die älteren Männer von Krašić. Tatbestandaufnahme unter der Linde. Tische und Stühle wurden aus dem Widum geholt, der Protest der Domestika höhnend verlacht.
Mit „vorbereiteten Protokollen“ konnte summarisch „gearbeitet“ werden; es ging glatt bezüglich der Aussagen der beteiligten Offiziere. Die älteren Bauern von Krašić wollten nicht reden, konnten überhaupt nicht schreiben und hatten etwas im Blick, das den Oberrichter schwer reizte und schreien machte: „Wir wissen schon, was ihr wollet! Eure Rechte! Wir werden euch zeigen, was eure Rechte sind! Was geschehen ist, habet ihr reichlich verdient! Schade ist, daß nicht alle Aufrührer erschossen und erschlagen worden sind! Die Protokollierung seid ihr nicht wert! Gehet alle zum Teufel! Fort!“
Die Juratuši schrieben emsig weiter. Es mochte sich um das „Generalprotokoll“ handeln, für das die Unterschrift der Hauptperson, des Dorfpfarrers, gewünscht und benötigt wurde. Zwar erschien schleppenden Ganges, gebeugt und zermürbt von dem schweren Schicksalsschlag der Seelsorger im Weißhaar vor dem Tisch des Oberrichters unter der Linde, hörte demütig und aufmerksam an, was mit zuckersüßer Stimme freundlich lockend gesprochen wurde, doch die Antwort war ein Kopfschütteln, das die Silbersträhne flattern machte.
Der Ton der Bitte um die Unterschrift des Župnik wurde weich und flehend.
Das Weißhaar flatterte heftiger.
Eindringlich wurde der Hinweis, daß der Priester es in der Hand habe, seiner Gemeinde den Frieden zu bringen, der Behörde die schwere Arbeit zu erleichtern und abzukürzen.
„Ich kann nicht unterschreiben! Und ich will nicht!“ erklärte festen
Tones der greise Pfarrer.