„Sie wissen doch, was ein Übername ischt?“

Aus dem Gesichtsausdruck konnte der Präsident ersehen, daß der Mann das absolut nicht weiß, weshalb der Beamte darauf hinwies, daß ein Übername gleichbedeutend mit Spitznamen oder Vulgonamen sei.

„Wissen Sie, wie die Bergbauern z.B. Sie selbst, den Gerichtskanzlisten, unter sich zu benennen pflegen?“

Der Kanzlist schüttelte den Kopf.

„Das können wir vielleicht gleich eruieren!“ sagte der Präsident, der sich einen Spaß versprach und den Amtsdiener beauftragte, den wartenden Bauer hereinzubringen.

Alsbald stand der knorrige Gebirgler in der Stube, arg verlegen darüber, daß sich außer dem ihm bekannten Kanzlisten noch ein Herr in der Kanzlei befand.

Der Präsident fragte gleich, aus welcher Gemeinde der Bauer sei.

„Aus Latschwies, gnä' Herr!“

„Ah, kenne ich! Das ischt ja die witzigste Gemeinde von ganz Tirol! Dort besteht die Gepflogenheit ganz besonders, jedermann mit einem Übernamen zu belegen. Sagt 'mal, hat nicht auch der Gerichtskanzlist hier einen Beinamen?“

„Ich wüßt' nicht, Ew. Gnaden!“ stotterte der Bauer.