Nach diesen Worten ließ sich der Oberbeamte den Bogen reichen, welchen der Kanzlist eben am Tisch zur Lektüre liegen hatte. Es war dies ein Bericht einer Gemeindevorstehung im Mittelgebirge mit folgendem Wortlaut.
„Löbliches k. k. Bezirksgerücht! Der gehorsamst Underzeichnete kann nix dafir, das beim Gerücht gleichzeidig zwei Dirnen gleichen Namens eingeliefert worden sind. Auf die Anfrage, ob eine der beiden Dirnen mit Namen Anna Mayer identisch mit der im Polizeiblatt ausgeschriebenen, berichtigten Anna Mayer sei, wird gehorsamst erwüdert: Die eine Anna Mayer ischt mit der berichtigten und ausgeschriebenen Anna Mayer nahezu identisch, die zweite Anna Mayer ischt mit der berichtigten Anna Mayer schon mehr als identisch!“[9]
„Ja, die Vorsteherberichte!“ sprach der Präsident leise, legte den Bogen wieder auf den Tisch und verließ die Amtsstube des aufatmenden Kanzlisten.
Um dem Inspektionsbeamten bei Tisch Gesellschaft leisten zu können, speiste Ehrenstraßer mit dem Präsident im Gasthof und nachmittags begaben sich beide über den Sattel zur Cementfabrik.
Im langsamen Anstieg wurde der Fall Ratschiller abermals durchgesprochen. Ehrenstraßer konnte mitteilen, daß eine Anfrage der Triestiner Assekuranzanstalt eingelaufen sei, ob die Nachricht von dem Raubmord, begangen an dem hochversicherten Cementfabrikanten Ratschiller auf Wahrheit beruhe.
„Das Gericht ischt doch keine Auskunftei!“ meinte der keuchende Oberbeamte.
„Zum mindesten wird sich die Gesellschaft bis zum Abschluß der Untersuchung gedulden müssen.“
Ein mächtiger Knall unterbrach das Gespräch, und gleich darauf ertönten abermals gewaltige Schüsse.
„Was ischt denn los?“ fragte der Präsident.
„Mutmaßlich Sprengschüsse!“