„Erst muß ich ja das Votum der Landschaft haben!“ warf Wolf Dietrich ein, und grollend klangen seine weiteren Worte: „Traurig genug, daß der regierende Fürst das Volk um Zustimmung angehen muß! Ging' es nach meinem Kopf, ich schickte die Stände heim für immer!“
„Das können Hochfürstliche Gnaden bei nächster Gelegenheit thun im Wege einer harmlosen Entlassung. Nimmer aber könnte ich ob der Folgen zu einer Auflösung raten!“
„Ein kluger Rat fürwahr! Entlassung für immer! Auf die Wiederberufung können sie warten bis — in Salzburg nichts Neues mehr zu bauen ist!“
Überrascht fragte Lamberg: „Hochfürstliche Gnaden beabsichtigen größere
Bauten?“
„Will ich, ja, habe aber jetzt dazu kein Geld! Wird sich hoffentlich später finden! Muß ja für Salome ein ihrer Schönheit würdiges Heim schaffen! Roma parva! Und kein Geld! Meine Weihsteuer[6] hab' ich auch noch einzufordern —!“
„Darf ich hiezu ein Wort in schuldiger Ehrfurcht mir verstatten?“ fragte Graf Lamberg, welcher die Gefahr dieser Steuereinhebung nur zu genau kannte.
„Sprich, Freund!“
„Submissest würde ich bitten, jetzt und auch für das nächste Jahr in
Gnaden abzusehen von einer Eintreibung der Weihsteuer, die, nebenbei
bemerkt, auch für den hochseligen Erzbischof und Fürsten Georg von
Küenburg noch nicht bezahlt ist….“
„Nun also! Die Grundholden machen Schulden über Schulden, und der Fürst muß darben! — Warum widerratet Lamberg einer Einhebung der vollauf berechtigten Weihsteuer?“
„Gnädigster Fürst! Das vergangene Jahr brachte dem Erzstift das Glück Eurer Erwählung zum Gebieter und Landesherrn. Leider ward dieses allseitig tiefempfundene Glück getrübt durch Mißwachs, die Unterthanen, an sich nicht reich, sind andurch schwer geschädigt und kaum im stande, neue Steuern zu tragen. Die Eintreibung der restierenden Weihsteuer müßte vielen, großen Schwierigkeiten begegnen, müßte den neuen Herrn und Gebieter im Lichte der Hartherzigkeit dem armen Volk gegenüber erscheinen lassen, und unseren erhabenen Herrn möchte ich geliebt wissen allenthalben!“