Weichgestimmt reichte Wolf Dietrich dem Freunde die Hand und dankte für das ehrlich offene Wort. „Gut denn! Es soll nach deinem Rat geschehen! Will Freund Lamberg zu Tisch verbleiben? Salome wird sich freuen, dich begrüßen zu können!“

Ausweichend erwiderte Lamberg: „Wenn Hochfürstliche Gnaden verstatten, möchte ich jetzund einige Herren des Landschaftsausschusses aussuchen, um eine Zustimmung zur Weinsteuer zu propagieren!“

„Das hat wohl Zeit bis morgen! Wir wollen vergnügt zusammen speisen und haben solche Erquickung vollauf verdient nach schwerer Beratung. Dieweilen ich die Hauptpunkte noch rasch fixiere, soll Graf Lamberg meiner Salome Gesellschaft leisten!“ Dies sprechend gab der Fürst ein Klingelzeichen und gebot dem eintretenden Kämmerer, den Domkapitular der Fürstin anzumelden und dorthin zu geleiten. „Auf Wiedersehen, Graf, bei Tisch!“

Unter genauester Beobachtung des Hofceremoniells verließ Lamberg das fürstliche Arbeitsgemach und folgte den Kämmerer in die Apartements der Favoritin, auf welchem Wege der Graf sowohl in reichgeschmückten Zimmern als auch an den Korridorwänden viele neue Gemälde erblickte, die Wolf Dietrich wohl erst vor kurzem mußte angeschafft haben und welche vielfach Darstellungen poetischer Fabeln, idealisierter Frauengestalten aus der Mythologie enthielten und dem Geschmack des Fürsten alle Ehre machten. Vor einer Venus hielt Lamberg einen Augenblick inne und widmete dem Bild eine flüchtige Betrachtung, das eine treffliche Kopie eines vom Kapitular im Palast des Kardinals Marx Sittich zu Rom gesehenen Originals zu sein schien.

Dienstbereit glaubte der Kämmerer sagen zu sollen, daß dieses Bild erst vor wenigen Tagen aus Rom für den gnädigen Fürsten angekommen sei.

Lamberg erwiderte kühl: „Ich kenne das Original zu Rom!“

„Das wäre etwas für die Salzburger, welche glauben, im Palazzo eines
Erzbischofes dürfen nur Heiligenbilder sein!“ meinte der Kämmerling.

„Es wird ausschließlich eigene Angelegenheit des durchlauchtigen Fürsten sein, den Palast nach Gutdünken auszuschmücken!“ sprach abwehrend Graf Lamberg und schritt weiter, um sodann in einem luxuriös ausgeschmückten Gemache des Bescheides zum Empfang zu harren, indes der Kämmerling sich behufs Meldung zur Kammerfrau Salomes begab.

Lamberg, der viel in Rom gewesen und in vornehmen Häusern verkehrt hatte, wunderte sich über die kostbare Ausstattung der fürstlichen Gemächer keineswegs, da selbe welschem Geschmack und italienischer Prachtliebe entsprach; aber der Kapitular brachte den Luxus in Zusammenhang mit der eben gehörten Klage des Fürsten über den herrschenden Geldmangel, und in diesem Sinne war die Ursache der Kassenleere unschwer zu erraten. Lambergs Gedanken bewegten sich denn auch in dieser Richtung und führten zu Bedenken schwerer Art für die Zukunft. So kurze Zeit der Fürst regiert, er ist bereits auf gefährlichem Wege, und seine Liaison mit der Kaufmannstochter wird sicher noch zu den ärgerlichsten Folgen führen. Daß Rom daran noch keinen Anstoß genommen, vermag sich Lamberg nur aus der kurzen Spanne Zeit seit Entrierung dieses Verhältnisses sowie aus dem Umstand zu erklären, daß der Nuntius bislang nicht in Salzburg gewesen ist. Einen guten Ausgang kann aber diese Liaison nimmer nehmen, darüber ist sich Lamberg klar und deshalb entschlossen, nach Möglichkeit wenigstens eine wirkliche Ehe zu verhindern und damit den drohenden baldigen Sturz des Freundes.

In diesen Gedanken versunken war Lamberg tiefernst geworden und schreckte fast zusammen, als der Kämmerling meldete, daß die Gebieterin bereit sei, den Grafen zu empfangen.