Lamberg zwang sich zu höfischen Formen und scheuchte die ernsten Gedanken hinweg. Ganz Höfling und mit lächelnder Miene trat er in das mit fürstlichem Prunk ausgestattete Empfangsgemach, in welchem Salome auf einem goldgestickten Tabouret mit einer Perlenarbeit beschäftigt saß. In blaue Seide gekleidet, sah die Favoritin im Goldschmuck ihres blonden Haares wahrhaft entzückend aus, und Lamberg mußte den Fürsten in diesem Augenblick wirklich entschuldigen.
Salome hatte den eintretenden Kapitular mit schnellem, forschendem Blick gemustert, dann aber sprach sie lächelnd: „Willkommen, Graf, in meinem Reich!“ und lud durch eine Geste den Besucher ein, an ihrer Seite Platz zu nehmen.
Nach tiefer Reverenzerweisung folgte Lamberg dieser Einladung und erwiderte: „Seine Hochfürstliche Gnaden haben mich zur Tafel befohlen und mir aufgetragen, vorher in diesen Räumen meine submisseste Aufwartung zu machen!“
Salome hatte augenblicklich die Situation erfaßt und schnell sprach sie: „So kommt Graf Lamberg nicht freiwillig, gehorcht lediglich einem Befehl des gnädigen Fürsten?!“
„Gewiß!“ klang es trocken, doch fügte der Kapitular sogleich hinzu: „Wie sollte auch ein schlichter Unterthan zur hohen Gnade eines Empfanges ohne Befehl gelangen!“
„Graf Lamberg darf doch wohl stets freundlichen Empfanges gewärtig sein!“
Sich dankend verbeugend sprach der Kapitular: „Ich kann nur heißen Dank für die wohlwollende Gesinnung zu Füßen legen der ebenso schönen als guten gnädigen Frau!“
„Frau?! Ihr wißt so gut wie ich, daß keinen Anspruch ich genieße auf dieses Ehrenwort, und offen sei's gesagt: Ich leide schwer unter sothanem Mangel der Legitimität!“
„Gnädige Gebieterin leiden zu wissen, berührt schmerzlich Dero unterthänigsten Diener!“
„Wenn Ihr heget Mitgefühl, so leiht Euren Arm, weihet mir Eures Geistes
Kraft, helft mir erreichen das ersehnte Ziel!“