„Ihr überschätzet wohl im heißen Drange meine schwache Kraft, gnädige Gebieterin! Wie sollt' ein Unterthan vermögen des hohen Herrn Pläne zu beeinflussen?!“
„Graf Lamberg ist des Fürsten Freund und gewichtig jedes Wort! Warum nur will Graf Lamberg nicht sein auch meines Wesens warmfühlender Freund?“
Der Kapitular richtete blitzschnell einen forschenden Blick auf Salome, senkte dann wieder die Lider und sprach leise: „Was könnt' meine Freundschaft Euch auch nützen?!“
„Mein Ohr vernimmt das ‚Nein‘, so warm auch klingt der Ton der leise abwehrenden Rede!“
„Nicht doch, gnädige Gebieterin!“
Salome richtete sich auf, fest im Ton sprach sie: „Ihr wollet nicht, ich ahnt' es längst! Mir sagt mein Herz, Graf Lamberg ist der Feind des legitimen Bundes!“
Jetzt gab auch der Kapitular in der Erkenntnis, durchschaut zu sein, das Spiel mit Ausflüchten auf, trocken erwiderte er: „Streng und scharf umzogen ist der Bereich meines Wirkens! Spräch' ich im Amte, mißbilligen müßt' ich jeglichen Bund im Sinne kirchlicher Gesetze. Unmöglich ist jedoch die Legitimität, die Strafe Roms wird folgen rasch solch verhängnisvollem Schritt!“
Höhnisch klangen der Favoritin Worte: „Die Strafe Roms! Wie straft Rom wohl einen Marx Sittich und sein unkirchlich Leben?“
Erstaunt, völlig überrascht rief Lamberg: „Ihr wißt davon?!“
„Jawohl! Warum nahm des Papstes Heiligkeit keinen Anstoß an der Ehe des verwandten Kardinals? Entspricht der tolle Lebenswandel seines Sohnes Robert und der Tochter Althäa den Gesetzen, die auch für einen Kardinal gelten müssen?“